Kriege der Don- und Dnjepv-Kasaken. 705
näher heran, bauten an der einen der Girl oder Mündungen des Don dieFestung Kasdory (nahe der heutigen Rasdorska Stanitza), und begannenvon hier aus wichtige Einfälle zur See in die kryinschen und türkischenUfer. Vergebens beschwerten sich die Khans und Sultane bei JohannIV.und Feodor I. : Letztere empfingen die Starschinen Weitesten), welchedie Kasaken jährlich mit Meldungen über die Grenz-Angelegenheitennach Moskau schickten, sehr gnädig, belohnten sie mit reichen Geschen-ken, und erlaubten allen Don-Kasaken freien Durchzug und Verkehr inallen russischen Städten, um durch Handels - Vortheile und verwandt-schaftliche Verbindungen ihr Bündniss mit Gross-Eussland immer festerzu machen.
Leider änderte sich dieses gegenseitige Verhältniss vollständig unterBoris Godunow, zum grossen Nachtheil für ihn selbst wie für Gross-Russland. Alle Beziehungen zu den Kasaken wurden abgebrochen, denLetzteren nicht allein der Eintritt in die russischen Städte, sondern sogardie Annäherung an die russischen Grenzen verboten. Die grosse Unzu-friedenheit der Kasaken hierüber trat in trauriger Weise in den darauffolgenden Ereignissen der unruhigen Zeiten hervor. Schon der erstePrätendent brachte ohne Mühe die Don-Kasaken gegen Boris Godunowauf seine Seite, — 6000 Mann derselben unter dem Ataman Korelarückten vom Don nach Sambor. Und von dieser Zeit an bis zum Jahre1612 waren die Kasaken beständig auf der Seite der Usurpatoren undder russischen Aufrührer, und Feinde des russischen Landes. Ihre fürRussland schädliche Thätigkeit während der ganzen acht Jahre wurdebereits oben (Kapitel 25 und 26) ausführlich geschildert. Nach der Er-mordung des zweiten Prätendenten gingen im Jahre 1611 die Kasakenauf die Seite der Vaterlands-Verräther über, setzten aber unter Führungihres Ataman Zaruzki nach wie vor die Verwüstung des russischenLandes, der Städte und Dörfer fort. ProkopjiLjapunow, welcherdem ein Ende machen wollte, fiel ihrer Rache zum Opfer, und die Ka-saken trieben die Aussaugung und Verheerung des russischen Landesweiter. Als aber Zaruzki nach Kolomna floh, und von da nach Astra-chan, da kehrte ein grosser Theil der Don-Kasaken unter ihrem AtamanMeshakow vor Moskau zurück und vereinigte sich mit dem HeereTrubezkoi's. Mit diesem nahmen sie an allen Kämpfen gegen diePolen in Moskau und Umgegend Theil, eroberten am 22. August Kitai-Gorod mit Sturm, und halfen demnächst an der Befreiung Moskau's vonden Polen und der Verfolgung des Heeres Sigismund's bis an dieGrenzen Polens mit. Zur Belohnung dafür verlieh der im Jahre 1-613 neuerwählte Zar Michael Feodorowit seh Romanow ihnen eine Belobi-gungs-Urkunde und eine Fahne, und im Jahre 1614 erhielten sie von demGeistlichen- und Laien-Landtage Schreiben mit dem Titel »An das