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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 399

Fünf der vornehmsten lithauischen Wojewoden wollten ihnen entgegengehen, zogen sich aber, als sie die Niederlage ihrer Vortruppen sahen,nach Loisk in undurchdringliche Waldschluchten zurück (im August undSeptember). Die moskauischen Wojewoden folgten ihnen nicht dahin,sondern kehrten in ihre Grenzen zurück. Andere moskauische Woje-woden: Godunow, Fürst Jelezki und Sassj äkin gingen in gleicherWeise nach Witebsk und Polozk, brannten die Vorstädte nieder undnahmen viele Menschen gefangen. Ausserdem führten der kasanscheZarewitsch Feodor, Sohn Alegami's, und Daniel Schtschenja'sSohn Michael häufige Verheerungszüge nach Lithauen aus. Alle dieseKriegsthaten hatten zum Zweck, Sigismund schneller zu einem Frie-den zu bewegen, welchen Wassilji sehr wünschte, weil der 6jährigeKrieg ihm bei dem derzeitigen Stande der Kriegs- und Geldmittel vonMoskau höchst drückend wurde. Nach der Einnahme von Smolensk undder Schlacht von Orscha kamen keine wichtigeren Kriegsereignisse mehrvor, immerhin aber war es nöthig starke Heere zum Schutze der mos-kauischen Grenzen beständig auf den Beinen zu halten. Die Angriffs-Operationen dieser Heere gegen Lithauen waren Nichts, als vereinzelteEinfälle, Streifzüge ohne Ziel und Zweck, ohne Zusammenhang undUebereinstimmung, nur zur Verwüstung des Landes, Ermordung und Ge-fangennahme der Bewohner, und Erlangen von Beute, ganz wie bei denTataren. Umsonst legte Alb recht von Brandenburg seinen interes-santen Plan zu allgemeinen Kriegsoperationen vor: die russischen Trup-pen sollten das kornreiche unbeschützte Samogitien erobern, von da nachMasovien gehen, sich hier mit ihm vereinigen und dann Sigismund imCentrum seines Beiches zu derselben Zeit angreifen, wo die deutschenMiethstruppen, aus Deutschland vorgehend (s. oben) denselben vonWesten her anfallen würden. Dieser Plan konnte die wichtigsten Folgenhaben; Sigismund's Lage war traurig, Krieg und Seuchen hatten seinReich verheert, der beste Theil seiner Trappen bestand aus böhmischenund deutschen Söldnern, welche nach dem misslungenen Sturm aufOpotschek missmuthig nach Hause gingen , während die eigenen Lands-leute Polen nicht mehr dienen mochten, und ohne sie die polnisch-lithau-ischen Truppen nicht mit Erfolg den vereinten Kräften Wassilji's undAlbrecht' s die Stirn zu bieten vermochten. Aber Zufall, Glück, undbesonders die Unklugheit und Ungeschicktheit Wassilji's und seinerWojewoden retteten Sigismund. Es gelang ihm, Wassilji zu einemWaffenstillstand auf 6 Monate zu bewegen, und nachdem er von denKrym-Tataren sich losgekauft, die Grenzen von Lithauen befestigt undgeschützt hatte, wendete er seine ganze Kraft gegen den für sich alleinmachtlosen Alb recht, zwang ihn zum Frieden, und beraubte Was-silji eines klugen, eifrigen und thätigen Alliirten. Dabei waren noch