334 HI. Vom Tode Alexander 's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
kleinen Krieges in einem Lande wie Hispanien und einem Feldherrn wieSertorius gegenüber, welcher in derselben Art und dem gleichen Geistewie seiner Zeit Viriathus den Krieg führte. Einem allgemeinen Kampfesorgfältig ausweichend, belästigte er den Metellus unaufhörlich durchkleinere plötzliche Ueberfälle, liess ihm nie Ruhe, hinderte ihn am Holenvon Wasser oder Futter, verlegte ihm den Weg, wenn er sich in Marschsetzte, griff ihn an, sobald er irgendwo Halt machte, schnitt seine Zu-fuhren ab und quälte ihn durch Hunger, wenn er eine Stadt belagerte,zog sich rasch ausweichend zurück, sobald er verfolgt wurde, und er-schien dann wieder von irgend einer anderen Seite her. Die Folge da-von war, dass Metellus auch ohne Schlacht ebenso grosse Verluste hatte,als wenn er besiegt worden wäre, und dass seine Truppen durch dieseArt der Kriegführung ermüdet den Muth gänzlich sinken Hessen. End-lich belagerte Metellus, um seine Situation durch irgend einen bedeuten-deren Erfolg zu verbessern, die Stadt Lacobriga (im heutigen Altcastilien),das Hauptmagazin und Depot des Sertorius. Dieser aber wusste geschicktund erfolgreich die Belagerten mit Wasser zu versorgen, woran sie Mangellitten, überfiel aus einem Hinterhalte und zersprengte ein Corps von6000 Mann, das Metellus auf Fouragirung ausgeschickt hatte, da er derLebensmittel sehr bedürftig war, und zwang ihn dadurch zur Aufhebungder Belagerung und zur Heranziehung des Manilius zu seiner Hülfe,welcher im narbonischen Gallien commandirte. Manilius aber wurde mit3 Legionen von Sertorius aufs Haupt geschlagen und floh fast ganzallein nach Ilerda (dem heutigen Lerida). Dieser Sieg eröffnete demSertorius den Weg nach Gallien, wo er, bis zu den Alpen vordringend,die Pässe derselben besetzte (77), sowohl um die römischen Truppen auf-zuhalten, welche aus Italien ihm entgegengeschickt werden konnten, alsauch, um den Krieg unter günstigen Umständen in dieses Land hinüber-spielen zu können.
Alle diese Erfolge erhöhten noch die Anhänglichkeit und das Ver-trauen der Hispanier zu ihm und erwarben ihm von ihrer Seite diegrösste Achtung und Verehrung, welche er noch zu vermehren wusste,indem er auf ihren Aberglauben speculirend sich als unter dem beson-deren Schutz der Götter stehend ausgab. Namentlich gewann er auchihre Liebe dadurch, dass er die Kinder der Vornehmsten unter ihnen ge-meinschaftlich in den Wissenschaften und Künsten unterrichten liess,um sie mit der Zeit zu den höchsten Aemtern und Würden tüchtig zumachen, gleichzeitig aber dienten ihm diese Kinder als Geiseln. Indemer auf diese Weise seinen Einfluss bei den Hispaniern benutzte, gab erihnen römische Bewaffnung und taktische Ausbildung, gewöhnte sie anmilitärische Subordination und Ordnung und bildete aus ihnen ein aus-gezeichnetes, regelrecht geschultes und tapferes Heer. Die höchsten