310 HL Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
die höchste Auszeichnung des Feldherrn für Rettung der Truppen ausGefahr war. Darauf rlickte Sulla in das Land der Hirpiner ein, über-gab seinen Soldaten ihre Hauptstadt Aeclanum zur Plünderung, undzwang die Hirpiner durch dieses Beispiel von Strenge zur Unterwerfung.Von da zog er nach Samnium und stiess, als er mit seiner Armee in einenges Defile bei Aesernia gegangen war, in demselben auf Papius Mu-tilus mit dem samnitischen Heere, wusste sich aber vermittelst einerglücklichen List aus dieser schwierigen Lage zu helfen. Indem er sichmit Papius in Unterhandlungen über einen Waffenstillstand einliess,-machte er hierdurch die Samniten sorglos und nachlässig und entkam,hiervon Nutzen ziehend, bei Nacht in der grössten Stille aus dem Defile;aber damit nicht zufrieden, machte er einen Umweg und griff Papius voneiner Seite an, wo dieser es am wenigsten erwartete, schlug ihn und er-stürmte sein Lager. Dann schloss er seinen glänzenden Feldzug mit derEinnahme von Bovianum im Samnischen. Diese Stadt war stark be-festigt, hatte drei Burgen (Citadellen) und war namentlich dadurch äusserstwichtig, dass der allgemeine Congress der Samniten in derselben sichbefand. Sulla unternahm den Sturm von mehreren Seiten zugleich undbemächtigte sich der Stadt nach dreistündigem heftigem Kampfe.
Im dritten und letzten Jahre (88) war der italische Bund schon sehrgeschwächt und wurde es noch mehr nach dem Tode des Pompädius,der Bovianum zurückerobert hatte, dann aber in einer grossen Schlachtbesiegt und gefallen war, deren Details unbekannt sind. Eins nach demanderen unterwarfen sich (mit Ausnahme der Samniten und Lucaner,welche demnächst an dem Bürgerkriege zwischen Marius und Sulla sichbetheiligten, s. unten 34. Kapitel) alle gegen Rom aufgestandenen itali-schen Bundesgenossen und Völker. Sie hatten indessen trotz aller ihrerUnfälle und Niederlagen und der für sie unglücklichen Wendung desKrieges den Zweck ihres Aufstandes erreicht: in dem Maasse nämlich,wie sie sich unterwarfen, verlieh der römische Senat ihnen das römischeBürgerrecht.
So endete dieser sogenannte Bundesgenossen- oder mar-sische Krieg, (natfh den Marsern, welche den grössten Antheil darangehabt hatten), der ausserordentlich hartnäckig, grausam und blutig ge-wesen und von ebenso grosser kriegerischer wie politischer Bedeutungwar. Man kann ihn den ersten r ö mls ch e n Bürgerkrieg nennen,denn in ihm hatten die Römer schon nicht mehr mit mehr oder minderunter ihnen stehenden Völkern und Heeren zu thun gehabt, denen sie inKriegsausbildung, Geist, Ordnung und Kunst überlegen waren, sondernmit solchen, die in dieser Hinsicht auf ganz gleicher Stufe mit ihnenstanden, auch numerisch ihnen gleich waren, wenigstens zu Anfang,und vielleicht nur in Bezug auf die Heeresführung hinter ihnen zurück-