184 HI. Vom Tode Alexanders d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
tigen oder wenigstens sie zu Laude uud zur See eiuschliessen können,indem er nur ein kleines Beobachtungseorps. gegeu Utica zu seinemSchutze gegen diese Stadt stehen Hess. Aber während er 40 Tage langUtica belagerte, zogen Syphax mit 50, OOü Mann Fussvolk und 10,000 MannReiterei und Hasdrubal mit 30,000 Mann zu Fuss und 3000 Eeitern, imGanzen also 80,000 Mann zu Fuss und 13,000 Mann zu Pferde, oderdoppelt so stark als Scipio, heran und lagerten sich unweit des Lagersdieses Letzteren. Der günstigste Augenblick war versäumt, schon nahteder Winter und Scipio hielt es für klüger, die Belagerung von Utica auf-zuheben und Winterquartiere zu beziehen. Ueber den Fluss Bagrada(h. Medjerda) zurückgehend, führte er sein Heer in ein Lager am Uferdes Meeres an einer Stelle, die seit jener Zeit nach ihm Castra Corneliagenannt wurde. Die Schiffe seiner Flotte zog er hier ans Land und umgabsie und sein Heer mit einem starken Lagerwalle. Es erscheint seltsamund fast unbegreiflich, dass ein Feldherr wie Scipio vorzog, Utica zubelagern, statt nach Karthago zu gehen; wahrscheinlich aber hat Scipiodazu doch seine guten Gründe gehabt.
In Italien war der Krieg sozusagen fast erloschen. Vollkommen ein-geschlossen in der Umgegend von Kroton, des einzigen Punktes, der ihmin Süditalien noch geblieben war, war Hannibal zu gänzlicher Unthätig-keit gezwungen. Seine einzige Hoffnung beruhte auf der Armee Mago's,welche er aber erwarten musste, da er nicht wagte, ihr entgegenzugehen.Bei seiner Armee befanden sich fast keine alten Krieger mehr, welchean der Trebia, am trasimenischen See und bei Cannä gekämpft hatten :sie bildete einen aus den verschiedensten Völkern und Stämmen zusam-mengesetzten Heerhaufen und war nicht stark genug, um einen Sieg zuerringen über die beiden römischen Heere, welche ihn beständig ein-geschlossen hielten, aber immer noch nicht wagten, Hannibal anzugreifen!Sie neckten ihn fortwährend durch Unternehmungen des kleinen Krieges,aber ihn mit den vereinten Kräften der beiden römischen Consular-armeen (über 40,000 Mann zusammen) anzugreifen, das wagte keinerder römischen Feldherren, — so mächtig war die moralische Wirkungdes blossen Namens Hannibal's., — eine Erscheinung, die sich mehr oderweniger in der Geschichte aller grossen Feldherren wiederholt: Jedervon ihnen war für sich allein eine ganze Armee werth! Allerdings hattenMarcellus, Fulvius, Claudius Nero nicht gezaudert, sich mit ihm zumessen, und zwar mit Erfolg; aber nicht alle römischen Heerführerwaren diesen ähnlich, und die kluge Vorsicht des grössten Theils vonihnen ging oft schon über die Grenzen eines solchen hinaus und ver-wandelte sich in Kleinmuth, welcher mit der bis zur Verwegenheitkühnen und bis zur Grausamkeit strengen Handlungsweise der römischen