168 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
gerechnet hatte, welchen seine 7000 Krieger den 34,000 Mann des Liviusbrachten, — und er hatte, wie oben gezeigt, sich bezüglich Hasdrubal'snicht verrechnet. So erscheint also in dieser ganzen, kurzen, aber höchstwichtigen und denkwürdigen Periode des Feldzuges und Krieges Clau-dius Nero als der wahre Held derselben, in weit höherem Maasse als Has-drubal, ja sogar, wenn man diese Zeit ausschliesslich ins Auge fasst, alsHannibal selber. In der That ist die vollkommene Unthätigkeit Hanni-bal's bei Canusium während der Abwesenheit Claudius Nero's vollkommenräthselhaft und durch Nichts zu erklären. Allerdings waren die BriefeHasdrubal's aufgefangen, und Hannibal, der keine Nachricht von ihm be-kam, wusste nicht wo Jener sich befand und wartete nur auf Mitthei-lungen von ihm, um ihm zu Vereinigung entgegen zu marschiren. Aberwie es möglich war, dass er, der sonst so Vorsichtige und Scharfsinnige,der eine Menge von Spionen und solche ausgezeichnete Späher wie dieNumidier zur Verfügung hatte, ganze zwei Wochen lang (wie wir gleichsehen werden) der Armee des Claudius Nero unter dem Befehl des LegatenCatius gegenüberstand. ohne von dem Abmarsch und der AbwesenheitClaudius Nero's auch nur das Geringste zu erfahren, das bleibt inWahrheit unbegreiflich. Leider ist derjenige Theil von des Polybius Ge-sichtswerk, worin ausführlich hiervon die Kede ist, verloren gegangen,sodass man über die Ursachen zu Hannibal's Unthätigkeit und zu seinerUnkenntuiss von des Claudius Nero Entfernung sich kein Urtheil bildenkann. Unzweifelhaft hatte ein so grosser Feldherr wie Hannibal seineGründe hierzu und würde jedenfalls, sobald er des Nero Abmarsch er-fahren, die Armee des Catius sofort angegriffen und sich, nachdem er siegeschlagen, nach Norden zur Vereinigung mit Hasdrubal aufgemachthaben. Aber das Glück hatte sich entschieden von ihm ab und denKömern zugewendet, und die Niederlage am Metaurus war für ihn einSchlag, von dem er sich nicht wieder erholen konnte, wie es die Römernach der furchtbar blutigen Schlacht von Cannä gethan hatten, welchenicht nur sich wieder aufzuraffen, sondern auch das Schicksal des Kriegesdefinitiv zu ihren Gunsten zu wenden vermochten.
Die Kunde von dem Siege am Metaurus versetzte Rom in einensolchen Taumel des Entzückens, dass, nach Titus Livius' Worten, diedrei Legaten ,|welche der Consul Livius mit dieser Meldung nach Romgesandt hatte, kaum durch die zahlreichen Volkshaufen, welche ihnenaus den Stadtthoren entgegen zogen, sich zu dem Senate Bahn zu brechenim Stande waren. Der Senat ordnete für drei Tage öffentliche Gebetean; der Held des Sieges, Claudius Nero, brach unterdessen schon in dernächsten Nacht nach der Schlacht mit seinem Corps wieder auf, zurücknach Canusium, und marschirte noch schneller als das erste Mal, sodasser sein Lager schon in sechs Tagen erreichte! Am folgenden Morgen Hess