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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 3 (1875) Vom Beginn des zweiten punischen Krieges bis zum Anfang der Kriege Julius Cäsars in Gallien : (218 - 58 v. Chr.)
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26. Der zweite punische Krieg (218202). 95

Schlafe einporgerüttelt, ihre Gedanken klar gemacht, sie moralisch ge-kräftigt, und in demselben Maasse wie die karthagische Eegierung inletzterer Hinsicht mehr und mehr gesunken war, hatte sich die römischemehr und mehr gehoben. Den Anfang und die dauerhafte Grundlagedazu hatte die Wahl des Fabius zum Dictator, die Einführung von dessenweisem Verhalten gemacht. Noch einen letzten Fehler beging die Eegie-rung durch die Ernennung des unfähigen und urtheilslosen Varro zumConsul; die furchtbare Niederlage bei Cannä mit allen ihren Folgenwar die Strafe dafür. Aber dieser Fehler war auch der letzte . und allefolgenden Handlungen der römischen Regierung sind tadellos und habendas eine Ziel im Auge und zur Folge: den Triumph Roms und denUntergang Hannibal's in Italien, wie der karthagischen Herrschaft inHispanien und Afrika.

Wenn wir dies Alles zusammenstellen, so erkennen wir deutlich,dass nichtHannibal die Schuld trifft, sondern die karthagische Regierung,welche im höchsten Grade unverständig handelte und ungenügende Mass-regeln traf, während die römische Regierung im Gegentheil mit immergrösserer Umsicht und Klugheit verfuhr. Ist aber diese Betrachtungrichtig, so müssen wir auch sagen, dass Niemand Hannibal beschuldigenoder es auch nur unbegreiflich finden darf, weshalb er nicht Dieses oderJenes, sondern eben nur das that, was er für nothwendig, erspriesslichund möglich hielt. Nehmen wir an, dass Alexander d. Gr. als unum-schränkter Herrscher von Macedonien, Griechenland und dem Orient anseiner Stelle gewesen wäre, so scheint es unzweifelhaft, dass er nach derSchlacht bei Cannä direct auf Rom marschirt sein, es ohne Säumen erdrückthaben und damit fertig geworden sein würde. Hannibal aber war, ob-gleich ein ebenso grosser Mann und Feldherr wie Alexander d. Gr., keinvon Niemanden abhängiger Regent, sondern nur ein von seiner Regierung-ganz und gar abhängiger Feldherr. Man kann also behaupten, dass esein grosser Irrthum, um nicht mehr zu sagen, von Seiten vieler, übrigenshöchst ehrenwerther Kriegs- und anderer Schriftsteller ist, wenn sie an-geben, was Hannibal nach heutigen Kriegsgrundsätzen undBegriffen hätte thun können und thun sollen. Aber zu solchenirrthümlichen Raisonnements über die Kriegsthaten der Feldherren desAlterthums muss und wird die unabsichtliche, aber unverständige Nei-gung , auf Grund der heutigen Begriffe über Kriegführung zu urtheilen,stets hinführen. Deshalb kann man auch dem General Vaudoncourt nurvollkommen beipflichten, wenn er die Lage und das Verhalten Hannibal'säusserst vorsichtig kritisirt und nicht allein sich nicht anmasst ihn zutadeln, sondern sich vollständig in seine Lage zu versetzen weiss, ihmin vollstem Maasse Gerechtigkeit und Ehre widerfahren lässt und ihmBilligung und Lob spendet.