26. Der zweite punische Krieg (218—202). 67
kommen, sondern war gezwungen, sich so gut es ging in seinem Lagerzu vertheidigen so lange, bis 4000 Fourageure herangekommen waren,welche in dem Lager bei Geronium sich eiligst zu sammeln vermochthatten. Dies ermöglichte ihm endlich, aus seinem Lager vorzubrechen,und sich vor demselben in Schlachtordnung zu formiren. Nun zog Mi-nucius sich zurück, zufrieden damit, dass er dem bis dahin unverwund-baren Hannibal einen erheblichen Verlust beigebracht und ihn sogar inseinem Lager belagert hatte. Hannibal Hess dem Minucius die Gerech-tigkeit widerfahren, dass er sehr geschickt operirt habe, kümmerte sichum die Instandsetzung von Geronium, und hielt es für das Beste in seinfrüheres Lager bei Geronium zurückzukehren. Sobald er abgezogen war.schlug Minucius sein Lager genau an derselben Stelle auf, wo vorher dasdes Hannibal gestanden hatte, und von jetzt an gingen die römischenTruppen dreist und kühn auf Fouragirung, während die Karthager dabeisehr vorsichtig geworden waren.
Die Kunde hiervon' brachte begreiflicher Weise in Kom die grössteFreude hervor und verstärkte nur noch die allgemein irrige Meinung, alsob bis dahin die Bangigkeit des Fabius (so nannten sie seine weiseVorsicht) Schuld gewesen sei an der Nichterlangung von irgend welchenErfolgen über Hannibal; Minucius wurde von Jedermann zu Rom in dieWolken erhoben. Der Volkstribun Cäcilius Metellus*) klagte sogar öffent-lich vor allem Volke den Fabius an, dass er die Absicht habe, den Kriegin die Länge zu ziehen, um seine eigene Macht zu verlängern, und schlugschliesslich vor, man solle den Fabius nicht eher aus Rom zur Armee zu-rück entlassen, als bis er einen Consul gewählt habe an Stelle desgefallenen Flaminius, und man solle ein Gesetz geben, das die Gleichheitder. Macht des Dictators mit der des Magister equitum feststelle.
Fabius vertheidigte sich sehr verständig und ausführlich, indem ersagte, dass er die Bedeutung des von Minucius erfochtenen Sieges be-zweifele , dass aber, selbst wenn sich Alles so verhalte, er Erfolge mehrals Misserfolge fürchte, dass alle erlittenen Schlappen lediglich der Un-vorsichtigkeit der Feldherren zuzuschreiben seien, dass unter den jetzi-gen Umständen es weit ruhmreicher sei, eine Armee ohne Schmach zuerhalten, als viele Tausende von Feinden zu erlegen, dass endlich, solange er die Würde des Dictators bekleide, der Magister equitum ihmRechenschaft schulde darüber, dass er gegen sein ausdrückliches Verbotsich in einen Kampf eingelassen habe, und dass er (Fabius) zeigen werde,wie ein guter Feldherr mehr durch Vorsicht als durch Glück und Zufallzu erreichen wisse.
Der Senat aber theilte die Meinung des Volkes, und Fabius, der
Nach Livius: Marcus Metilius. Anmerkung des Uebersetzers.