Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 3 (1875) Vom Beginn des zweiten punischen Krieges bis zum Anfang der Kriege Julius Cäsars in Gallien : (218 - 58 v. Chr.)
Entstehung
Seite
36
Einzelbild herunterladen
 

36 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (32330 v. Chr.).

Stelle zu umgehen, musste also halten bleiben und Hess nun durch dieTruppen den Weg aufräumen und für Elephanten und Vieh passirbarmachen. Als dies endlich vollbracht war, schickte er zuerst die gesammteReiterei und alle Thiere hinab, um Weideplätze aufzusuchen, auf denenkein Schnee lag. Erst nach drei Tagen, d. h. am 15. Marschtage, gelangtedie ganze Armee mit den Elephanten allmälig von dieser Stelle hinab indie Ebene des Padus, in das Land der Insubrer. Hier waren es nur noch12,000 Mann afrikanischen Fussvolkes, 9000 Mann hispanischen Fuss-volkes und 6000 Mann Reiterei, »wie«, fügt Polybius hinzu, »Hannibalselber auf der Säule zu Lacinium, welche die Inschrift mit der Truppen-zahl enthält, berichtet« (bevor er aus Italien nach Afrika zurückging,s. 28. Kapitel, §. 190)*).

In solcher Kürze thut Polybius des Herabsteigens HannibaPs vonden Alpen in die Thalebenen des Padus Erwähnung. Nach den neuerenErmittelungen über dieses Herabsteigen vom Mont Cenis, machte Hanni-bal auf dem heutigen Wege von Grande Croix zur Ebene St. Nico-las und La Ferriere Halt, liess sein Heer auf der Ebene St. Nicolaslagern und ordnete die Herstellung eines für die Elephanten und Last-thiere gangbaren Weges über die verschüttete Stelle am Rande desschmalen tiefen Abgrundes an, in welchem die Cenise fliesst. Vorherhatte er wahrscheinlich versucht, diesen Erdsturz durch Hinuntersteigenin den Abgrund zu umgehen, was ihm aber nicht gelungen war undden Verlust von vielen Menschen, Pferden, Lastthieren und Elephantenkostete. Die Wiederherstellung des Weges erforderte zwei Tage 'den 12.und 13.); am 13. sendete Hannibal die Pferde der Reiterei und alle Last-thiere weiter hinab zu einem Weideplatz, welcher heute zwischen demDorfe Novalese und der Stadt Susa bereits tief im Thale von Susaliegt, wo kein Schnee, aber Wiesen und Weiden waren. Am 14. Tage,nachdem der Weg nothdürftig wieder gangbar gemacht war, brachen dieElephanten auf, er selbst folgte mit der ganzen Armee bis zu der Stelle,wo die Reiterei und Bagage lagerte. Am 15. Tage zog er mit der ganzenArmee von Susa dem Doralaufe folgend weiter nach Rivoli hinab, dasbereits am Ausgange aus den Alpen in die Ebene 8 Meilen von Turinentfernt liegt. Das Thal von Susa ist Anfangs von hohen Bergen ein-geengt, erweitert sich dann allmälig und wird nach rechts hin von demMont St. Michel oder Monte Picheriano, nach links vom Mont Musinetbegleitet""). Am Fusse der Anhöhe, auf der Rivoli liegt, beginnt die bis

*) Polybius erzählt, er habe auf Lacinium (Vorgebirge in Unteritalien mit einemHera-Tempel) das Verzeichniss auf einer Erztafel gefunden, auf welcher es von Han-nibal zu der Zeit eingegraben war, wo er sich in diesem Theile Italiens aufhielt.

Anmerkung des Uebersetzers.**) Auf Kiepert's Atlas heisst der rechts begleitende Bergzug Mont d' Assietteund Mont Treidour, der linke Monte Civrari. Anmerkung des Uebersetzers.