8 III. Vom Tode Alexander's d. Gr. bis zu Augustus (323—30 v. Chr.).
sie sich mit der Bitte um Schutz und Hülfe an Rom. Dieses hatte schonlange mit missglinstigem eifersüchtigem Auge die Erfolge der Karthagerauf Iberien verfolgt und ergriff nun mit Freuden diese günstige Gelegen-heit, denselben endlich ein Hinderniss entgegen zu stellen, nahm Saguntunter seinen Schutz und forderte von Hasdrubal, dass der Fluss Iberuszur Grenze der karthagischen Besitzungen in Hispanien erklärt werde.Hasdrubal, der die karthagische Herrschaft in diesem Lande noch nichtfür hinreichend befestigt hielt, um einen Krieg mit Rom beginnen zukönnen, war genöthigt einen Vertrag mit Rom zu schliessen, durch wel-chen er Sagunt unter römischem Schutze stehend und den Fluss Iberusals Grenze der karthagischen Herrschaft anerkannte; jedes feindlicheUnternehmen der Karthager gegen die Erstere und ein Ueberschreitendes Letzteren mit Truppen sollte als Bruch des Friedens zwischen Kar-thago und Rom angesehen werden. — Wiederum eine neue gewaltthätigeEinmischung des Letzteren in die Angelegenheiten des Ersteren! KurzeZeit darauf wurde Hasdrubal von einem Hispanier erschlagen, aus per-sönlicher Rache, und das ganze in Spanien stehende karthagische Heerwählte sofort einstimmig* an seiner Stelle denHannibal, Sohn Hamilkar's,zum Feldherrn, obgleich er erst 24 Jahre alt war. — und trotz des Wi-derspruches des Hanno und seiner Partei bestätigte die karthagische Re-gierung die vom Heere getroffene Wahl.
§. 154.Hannibal bis zum Jahre 221.
Hannibal, einer der vier Söhne des Hamilkar Barkas, wurde imJahre 245 geboren*) und zeigte schon in früher Jugend ungewöhnlicheGeistesfähigkeiten und Charaktereigenschaften; er erhielt eine äusserstsorgfältige griechische Bildung. Seine Erziehung leitete sein Vater selbst,der seine hohe Begabung erkannt und ihn über die Maassen lieb hatte.Dieser Erziehung legte Hamilkar die B Gefühle zu Grunde, welche ihn selbstin so hohem Grade beseelten, — feurige Liebe zum Vaterlande und un-versöhnlichen Hass gegenRom. Dies wird durch Hannibal's eigeneWorte bestätigt, welche er zu Antiochus von Syrien sprach, und die Po-lybius im III. Buche 11. Kapitel wiedergiebt: »Zu der Zeit, wo sein
*) Seino Geburt wird von Einigen unrichtig in das Jahr 247 gelegt, von Anderenin das Jahr 240. Seinen eigenen Worten zufolge, die er an Antiochus von Syrien ge-richtet, wie sie Polybius (III. Buch, 11. Kapitel) anführt, war er 9 Jahre alt,als sein Vater im Jahre 236 nach Iberien zog. Folglich war er 245 ge-boren, im Jahre 221 also 24 Jahre alt, und wurde während des zweiten punischenKrieges (218—202) von 27—43 Jahre alt.