420 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.
Hess er alle in Syrakus und den syrakusischen Städten befindlichen Kar-thager tödten , erklärte dann den Krieg an Karthago, schloss die InselMotya ein, auf der sich eine karthagische Garnison befand, nahm sieweg und unterwarf alle mit Karthago verbündete Städte auf Sicilien, bisauf fünf.
Die Karthager, obgleich durch Seuchen und Verluste in den Kriegensehr geschwächt, beschlossen dennoch, alle Kräfte aufzubieten, um ihreBesitzungen in Sicilien zu behaupten. Im Jahr 396 wurden 300,000 MannFussvolk und 4000 Mann Reiterei mit 400 Streitwagen (nach Timäus nur100,000 Karthager, zu denen nach der Landung noch 30,000 Sicilierstiessen) unter Imilkon's Oberbefehl auf 28 Kriegs- und 1000 Transport-schiffen nach Sicilien übergesetzt.*) Bei Panormus griff die syrakusischeFlotte die karthagische an und brachte ihr einen Verlust von 50 Schiffenund 5000 Mann bei. — Trotzdem aber landete lmilkon, nahm Eryx undMotya, schloss, um die Syrakusaner von aller Hülfe aus Italien undGrie-chenland abzuschneiden, Messana zu Lande und zu Wasser ein und nahmes bald darauf mit stürmender Hand. Während dessen hatte er mitHimera und einigen anderen Städten ein Bündniss geschlossen undLipara, die Hauptstadt der liparischen Inseln, genommen. Diese Er-folge veranlassten viele sicilische Städte, von Dionysius abzufallenund sich mit lmilkon zu vereinigen. Dionysius hatte indessen 180Schiffe ausgerüstet und 30,000 Mann Fussvolk und 3000 Reiter zu-sammengebracht, mit denen er sich längs der Seeküste von Syrakus ausgegen lmilkon in Bewegung setzte; bei Katana aber wurde er in Folgedes Ungehorsams und der Sorglosigkeit seines Flottenbefehlshabers miteinem Verluste von 100 Schiffen und 20,000 Mann durch lmilkon ge-schlagen und in Syrakus zu Lande und zu Wasser eingeschlossen. lmilkonnahm Achradina, den grössten Theil der Stadt, mit Sturm ein. Als aberdie Syrakusaner von Griechenland und Italien Verstärkungen erhaltenhatten, wurden die Karthager beständig geschlagen, sowohl zu Lande,wie zur See. Hierzu kam noch die Seuche, welche heftig unter ihnenwüthete und sie ausserordentlich schwächte. Dionysius machte sich daszu Nutze und führte einst um Mitternacht mit 10,000 auserlesenen Krie-gern einen plötzlichen Ueberfall auf die beiden befestigten Lager derKarthager und auf zwei detachirte Befestigungen derselben aus, welcheden grossen Hafen deckten. Zu gleicher Zeit griffen 80 syrakusischeSchiffe im grossen Hafen die karthagische Flotte an. Landheer wie Flotteder Karthager ergriff ein panischer Schrecken, es entstand die grössteUnordnung; die Syrakusaner zogen Vortheil davon, nahmen beide Lager
*) Ephorus giebt die Zahl der Transportschiffe auf mehr als 600. der Kriegs-schiffe auf 100 an. — Anmerk. d. Uebers.