9. Der Aufstand des Jüngern CJtus und der Rückzug der 10,000 Griechen. 225
stehenden Truppen durch Anwerbungen in Kleinasien und Griechenlandzu verstärken. Sein Hauptaugenmerk hatte er auf die Werbungen inGriechenland gerichtet,, auf sie verwandte er alle Mühe und Sorgfalt.Und hierbei kamen ihm, ausser den Mitteln, welche er bereits früher an-gewandt hatte, um die Freundschaft der Griechen zu gewinnen, die Ver-hältnisse ganz besonders zu statten. In Griechenland gab es nach demlange währenden peloponnesischen Kriege eine Menge von Leuten ausden höchsten und niederen Klassen,. welche sich dem Kriegshandwerkgewidmet hatten, nicht mehr zu friedlichen Beschäftigungen zurückkehrenmochten, und mit Freuden bereit waren als Hülfstruppen zu dienen, beiwem es auch sei, — wenn sie nur gut bezahlt wurden. Sparta gestatteteaus Erkenntlichkeit gegen Cyrus, dass dieser in Griechenland Hülfs-truppen anwerben Hess, und stellte ihm später noch obendrein die pelo-ponnesische Flotte zur Verfügung, welche an der Küste Kleinasiens lag.Auf diese Weise hatte Cyrus in zwei Jahren (403—402) schon ungefähr13,000 Mann griechische Hülfstruppen zusammen (11,000 Hopliten undetwa 2000 Psiloii, dazu ca. 100,000 Mann asiatische Truppen, eine grosseZahl Pferde, und eine Flotte von 60 Triremen (25 phönizische und 35peloponnesische). Die griechischen Hülfstruppen bestanden in acht abge-sonderten Heerhaufen unter dem Befehl von acht vornehmen Anführern,von denen sie angeworben waren, aus verschiedenen Bezirken und ver-schiedenen Stammes. Diese hatten, der griechischen Sitte gemäss, Alledie gleiche Gewalt; der Spartaner Klearchus stand indessen den Uebri-gen gewissermassen voran, da er ausgezeichnete Gaben, einen festenentschlossenen Charakter, und das unbegrenzte Vertrauen des Cyrusbesass.
Im Frühjahr 401 zog Cyrus unter dem Vorgeben, die unruhigenPisiden aus Kleinasien vertreiben zu wollen, zu' Lande von Sardes andie Grenzen Pisidiens. Gleichzeitig ging die Flotte an die Küste vonCilicien. Aber nach Ueberschreitung des Flusses Mäander rückte Cyrusnicht in Pisidien ein , sondern umging es nördlich zwischen Celänä undIkonium in Phrygien und Tyana in Kappadocien, überstieg, ohne aufWiderstand zu stossen, den Gebirgszug, der Kappadocien von Cilicientrennt, und kam in die Hauptstadt dieser letzteren Provinz, Tarsus. Hierweigerten sich die griechischen Söldner, welche sahen, dass Pisidienschon weit hinter ihnen lag, weiter nach Osten zu gehen. Diese Weige-rung war für Cyrus höchst störend, da er seine ganze Hoffnung lediglichauf diese Truppen gesetzt hatte. Er bot deshalb alle Künste derUeberredung und Schmeichelei auf, um sie zu bewegen ihm zu folgen,und erreichte dies endlich, indem er ihnen versprach, ihren Sold zu er-höhen. Nun setzte er seinen Marsch von Tarsus an den Meerbusen vonIssus fort, passirte ungehindert den syrischen Engpass (welcher von
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. 1,1. J *>