520 IV Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Keiches.
des weströmischen Reiches, sie sind die Ursachen für das Vorhandenseineiner besonderen Truppengattung, der leichten Infanterie, im Alter-thum, wie namentlich auch für deren besondere Kampfart, den Fern-kampf in zerstreuter Ordnung. Ausserdem aber warf auch dasschwere Fussvolk wie die Eeiterei mit der Hand den Wurfspeer unddie Halblanze, welche somit auch zu den Fern- oder Schusswaffengehörten.
Der menschliche Erfindungsgeist begnügte sich damit nicht, von derHand-Fernwaffe schritt man zu den Wurfmaschinen, Katapultenund Ba llisten fort, welche grosse Pfeile, Lanzen, Steine, und schwereGegenstände auf weitere Entfernung schleuderten, die einen in horizon-taler Richtung, die anderen im Bogen, anfänglich vorzugsweise beiAngriff und Vertheidigung fester Wohnsitze und Städte, dann auchausserdem noch bei befestigten Lagern, örtlichen Hindernissen, Flüssen,Engpässen, Wäldern, und selbst gegen die Truppen in offener Feld-schlacht. Im Lauf der Zeit entwickelte und erweiterte sich der Gebrauchder Wurfmaschinen und damit zugleich auch die Anzahl dieser Maschinenund Geschütze, und ebenso nahm die Anzahl der damit hantierendenTruppen mehr und mehr zu. Endlich, in der letzten Periode des Alter-thums, besonders im 4. und 5. Jahrh. n. Chr., erreichten sie im römischenHeere ihre höchste Entwickelung, sodass ausser dem sich der Hand-Fernwaffen bedienenden Fussvolke, Schleuderern, Bogenschützen, undWurfspeere Werfenden, sich gleichsam eine neue Art Truppen gebildethatte, die mit den Wurfgeschützen grosse Pfeile, Steine, Balken, undsogar Brandstoffe horizontal und im Bogen auf weite Entfernungenschleuderte, sowohl bei Angriff und Vertheidigung von Städten undFestungen, als in der offenen Feldschlacht.
Dies Alles zusammen trug im Alterthum zur Entwickelung einer be-sonderen Kunst bei, die wir Ballistik nennen, d. h. die Kunst, mit derHand oder durch Maschinen aus der Ferne verschiedene Projectile zuwerfen, mit dem Zwecke, dem Feinde Schaden zuzufügen, oder seinekünstlichen Kriegsschutzwehren, Deckungen und Materialien zu zerstören.Diese Kunst bestand im Alterthum unzweifelhaft sowohl in technischerwie in taktischer Hinsicht und gehörte theils in die Taktik, theils in diePoliorcetik. Es verdient dies eine besondere Beachtung, denn es war sozu sagen die antike erste Gestaltung jener Ballistik oder Schiesskunst,welche 9 Jahrhunderte nach dem Untergange des weströmischen Reicheseine so entschiedene Umwälzung in der Kriegskunst hervorbrachte und,indem sie die alte Kriegskunst gänzlich beseitigte, den ersten Anfangzu der neuen legte. Ausserdem ist dies um so interessanter, weil imAlterthum überhaupt, und speciell in den ersten 5 Jahrhunderten n. Chr.zu der antiken Ballistik auch das Werfen von Brandgeschossen