63. Allgemeiner Ueberbliek über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 515
erstere war 1 00 cubitus hoch (1 cubitus ±= 1 1 / 2 römische Fuss, 100 römi-sche Fuss == 94,2 rheinländische Fuss), hatte 9 Etagen und wurde von3400 Mann abwechselnd in Bewegung gesetzt. Bei der Belagerung vonSalamis baute Demetriu s eine kleinere Helepolis, 90 Ellen in 9 Stock-werken hoch: in dem untersten Stockwerke standen die Ballisten, in denmittleren die grossen, in den oberen die kleinen Catapulten und andereWurfgeschütze. Die gewöhnlichen Thürme enthielten unten den Widder,und ganz oben standen Bogenschützen und Schleuderer. Vegetius er-wähnt einen Thurm, den er P1 i c a t i 1 i s nennt; er konnte plötzlich indie Höhe geschraubt oder gezogen werden, über die Höhe der Stadt-mauer hinaus, um so den Belagerten keine Zeit zur Erhöbung der Mauerzu gewähren. Es erregt Erstaunen und selbst Zweifel, wie es möglichwar, so ungeheure Maschinen zu bewegen, aber das scheint im Alterthumetwas sehr Gewöhnliches gewesen zu sein, denn keiner der alten Schrift-steller erklärt den Mechanismus dieser Fortbewegung. Ausser den be-weglichen Thürmen gab es auch noch unbewegliche, bisweilen, bei lang-wierigen Belagerungen, wurden sogar steinerne erbaut. Bei Belagerungvon Seestädten wendete man auch schwimmende Thürme auf Schiffenan, wie z. B. Demetrius gegen Rhodus.
c) Die Schildkröte oder Sturmdach kam zum ersten Mal bei der Be-lagerung von Pometia (502 v. Chr.) zur Anwendung. Es gab deren3 Arten : von Erde, um den Graben zuzuschütten, den Boden zu ebnen,einen Wall aufzuführen, oder die Thürme gegen Ausfälle zu schützen;dreieckige mit schrägem Dach zum Schutz der Arbeiten. Minen u. s. w.dicht an der Mauer (bei den Römern hiessen sie musculus): und solcheauf Gestellen, höher und breiter, aber nicht so lang als die vorigen, zurDeckung des Widders.
3) Die Mittel des eigentlichen Angriffs waren:
a) Der Widder, die hauptsächlichste und entscheidende Maschineder Angreifer zur Niederwerfung der Mauer. Plinius erkennt alssolchen (aber wenig. glaubhaft) schon das trojanische hölzerne Pferd.Vitruvius schreibt dessen Erfindung einem tyrischen Schmied Pe-thasmenos hei den Karthagern bei der Belagerung von Gades (Cadix)zu. Zuverlässige Nachrichten über die Anwendung des Widders bei denGriechen enthält Thucydides bei der Beschreibung der Belagerungen vonSamos und Plataea zur Zeit des peloponnesischen Krieges. _
Ursprünglich bestand der Widder aus einem langen starken eisernenBalken mit spitzem Ende, welchen die Krieger mit den Händen gegendie Mauer stiessen; dann aus einem gleichen Balken von Holz mit eiser-nem Widderkopf, der zwischen zwei Balkenständern mit Querbalkenhing: endlich aus eben solchem Balken unter einem Schilddache aufeinem Gestelle, mit mehr oder weniger vervollkommnetem Mechanismus
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