54. Die bemerkenswerthesten Kriege u. Feldzüge d. Römer währ, dieser Periode. ] 29
Bedingungen wurde ihm der erbetene Friede bewilligt. Trajan aberkehrte unter Zurücklassung eines starken Beobachtungscorps in dem be-festigten Lager vor Sarmizegethusa nach Rom zurück, der Senat bestä-tigte den Frieden und ehrte Trajan mit dem Triumph und dem BeinamenDacicus. v
Allein der Friedensschluss des Decebalus war erzwungen und nurzum Schein. Er begann sogleich wieder Waffen anzukaufen, römischeUeberläufer bei sich aufzunehmen, die benachbarten Völker zum Kriegegegen die Römer aufzuhetzen und eroberte einen Theil des Gebietes deran Dacien im Norden angrenzenden Jazygen (eines slawischen Stammes).
Der römische Senat erklärte ihn für einen Feind Roms, und im J.101 unternahm Trajan einen zweiten Feldzug gegen ihn, besiegte ihnabermals und zwang ihn wieder um Frieden zu bitten. Während aberdie Unterhandlungen noch schwebten, betrug sich Decebalus so heim-tückisch und treulos, dass er mehrere Anschläge auf das Leben Trajan'smachte, welcher in Folge dessen den Krieg gegen ihn mit grosser Vor-sicht führte (102—104). In dieser Zeit Hess er eine steinerne Brückeüber die Donau schlagen, welche er auf beiden Seiten durch starkeBrückenkopfschanzen ;Forts) sicherte. Die Ueberreste dieser Brückesind unter dem Namen der Trajanischen bis auf den heutigen Tagim Flussbett der Donau, zur kleinen Wallachei gehörend, vorbanden. ImJ. 103 überschritt Trajan auf derselben die Donau, nahm Sarmizegethusamit stürmender Hand und eroberte im J. 104 den grössten Theil von Da-cien. Decebalus entleibte sich selbst aus Furcht, Jenem lebendig in dieHände zu fallen; sein Kopf wurde nach Rom geschickt, Dacien aber ineine römische Provinz verwandelt im J. 105)*).
Sieben Jahre nachher, im J. 112, setzte der parthische König Chos-roes**) eigenmächtig den Exedar.es auf den Thron von Armenien,welchen Nero an Tiridates verliehen hatte. Gegen diese Nichtachtungder Rechte Roms erhob sich Trajan und führte einen Feldzug nach Ar-menien aus mit der eigentlichen aber geheim gehaltenen Absicht, dasselbezu erobern und zur römischen Provinz zu machen, wozu Zeit und Um-stände besonders günstig schienen, weil Parthien durch innere Unruhenzerrissen war. Indessen versuchte Trajan noch vor seiner Abreise ausEom ins Feld den Zwist mit Chosroes durch Unterhandlungen auszu-gleichen. Die Antwort des Chosroes lautete so hochmüthig, dass Trajansofort alle Vorbereitungen zum Kriege und Feldzuge traf. Bei seinerAnkunft in Athen im J. J13 empfing er daselbst eine Gesandtschaft von
*) Die alte Hauptstadt Sarmizegethusa erhielt als römische Colonie den NamenUlpia Trajana. Anmerk. d. Uebers.
**) Nach Dio Cassius* Osroes. Anmerk. d. Uebers.
Gulitzin, Allgero. Kriegsgeschichte. I, 5. ;i