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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 4 (1876) Vom Beginn der römischen Bürgerkriege bis zu Augustus oder der Gründung des römischen Kaiserreichs : (133 - 30 v. Chr.)
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43. Dritter röm. Bürgerkrieg zwischen Cäsar u. Pompejus (4945 v. Chr.). 247

evliess alle Rückstände und Zinsen der Schulden seit Anfang des Bürger-krieges, Hess alle Güter seiner Feinde verkaufen, wendete alle möglichenMittel auf um Geld zu erlangen, ja ordnete sogar den Verkauf der Güterdes Pompejus auf öffentlichem Markte an. Antonius kaufte dieselben,da er hoffte Nichts für dieselben bezahlen zu müssen, erregte aber da-durch Cäsar's Unzufriedenheit. Senat und Volk erklärten sich vollkom-men bereit zur Erfüllung aller Forderungen und Befehle Cäsar's, undausser einer Menge von Ehrenbezeigungen, die ihm durch Senatsbe-schluss zugesprochen wurden, ward ihm auch noch das Recht beigelegt,Krieg zu erklären und Frieden zu schliessen.

Was die Legionen anbelangt, so beruhigten sie sich beim EintreffenCäsar's, bald aber empörten sie sich noch heftiger, tödteten alle ihreOffiziere, die sie hatten beschwichtigen wollen, bemächtigten sich ihrerAdler und brachen nach Rom auf, um Cäsar selbst zu bedrohen. DerLetztere Hess die Stadtthore schliessen, als aber die Meuterer auf demMarsfelde angekommen waren, begab er sich zu ihnen hinaus und fragtesie strenge, was sie begehrten. »Wir sind mit Wunden bedeckt«, ant-worteten sie, »lange genug schon werden wir in der Welt herumge-schleppt und haben wir unser Blut verspritzt; wir verlangen unsere Ent-lassung.« »Ich gebe sie euch«, erwiderte Cäsar kurz und kalt, und dannfügte er hinzu, dass er binnen wenigen Wochen von Rom fortziehe undden Feind mit anderen, neuen Truppen besiegen, nach seiner Rückkehraber den alten Legionen Alles geben werde, was er ihnen versprochenhabe. Darauf wollte er sich entfernen, die Legaten aber baten ihn, nocheinige freundliche begütigende Worte an seine alten Kriegskameradenzu richten, mit welchen er so viele Gefahren überstanden, so vieleFeinde überwunden habe. Cäsar setzte sich und begann seine Anredemit den Worten Quiriten, während er sie sonst immer Kameradenangeredet hatte. Die Truppen begannen zu murren: »wir sind keineBürger, wir sind Soldaten«, sagten sie. Das Ende war, dass sie um Ver-zeihung und um die Erlaubniss baten, weiter dienen zu dürfen. Cäsarverzieh ihnen schliesslich, mit Ausnahme seiner einstigen Lieblings-legion, der 10. Aber diese Legion folgte ihm aus freien Stücken undohne seine Erlaubniss dennoch nach Afrika*).

*) Diese Scene wird auch noch in anderer Version erzählt. Die Soldaten glaubten,dass Cäsar nicht ohne sie bestehen könne und dass, wenn sie ihm den Gehorsam ver-weigerten, sie ihm noch grössere Belohnungen abtrotzen könnten. Aber zu solcherErniedrigung und Demüthigung vor seinen Soldaten konnte sich Cäsar nicht ver-stehen, er frug sie daher: »Was begehrt ihr, Kameraden"?« »Unsere Entlassung«,war die Antwort. »Ich gebe sie euch, Quiriten«, entgegnete Cäsar. Diese Be-nennung Quiriten kränkte sie dermassen, dass sie sogleich bereuten und Cäsar umVerzeihung baten. Seine Festigkeit setzte sie in Erstaunen, seine Kälte betrübte