36. Kriege und Feldzüge Julius Cäsar's (58—45 v. Chr.). 41
bei den Galliern dagegen und sogar bei den überrheinischen Germanenmachten sie einen so starken Eindruck, dass einige Stämme derselbenGesandte an Cäsar schickten, mit der Erklärung, dass sie bereit seiensich zu unterwerfen und Geiseln zu geben. Da Cäsar aber schleunigstin das cisalpinische Gallien zurückkehren wollte, so trug er den Gesand-ten auf, Anfang des folgenden Sommers wieder zu kommen, und reisteab, nachdem er seine Armee in Winterquartiere in die Länder der Car-nuten (Pays de Chartres, im nördlichen Orleannais), Anden (Anjou) undTuronen (Touraine) gelegt hatte, welche gegen Südwesten an die Gebietegrenzten, in denen die Kriegsereignisse dieses Jahres VsOrgegangenwaren.
Bei einem allgemeinen Rückblick auf Cäsar's Thaten in diesemFeldzuge muss man, in Uebereinstimmung mit der Ansicht aller neuerenSchriftsteller, volle Anerkennung und Lob zollen: 1) seiner Absicht, denBelgiern durch Uebertragen des Krieges in ihr eignes Gebiet zuvorzu-kommen , 2) seinem demnächstigen raschen Marsche und unerwartetenAuftreten an den Grenzen des Gebietes der Belgier, 3) der Detachi-rung des Divitiacus in das Land der Bellovaker, um einen Theil derbelgischen Streitkräfte abzuziehn, 4) seinen vortrefflichen Dispositio-nen und Operationen in dem Kampfe an der Axona, 5) seinem raschenZuge gegen die Nervier und darnach gegen die Aduatuker, und 6) derThätigkeit und Raschheit, mit welcher die Belagerungsarbeiten gegenNoviodunum und die Festung der Aduatuker ausgeführt wurden. Dasbeste Lob aller dieser Handlungen sind ihre Resultate selbst, dieSprengung des Bundes der Belgier und die nach einander erfolgendeUnterwerfung der Remer, Suessionen, Bellovaker, Ambianerund schliess-lich der Aduatuker. Aber auch in diesem Feldzuge machte Cäsar Fehler,nämlich 1) dass er ohne weitere Vorbereitungen den Sturm gegenNoviodunum unternahm, der zurückgewiesen wurde, 2) dass er denNerviern und ihren Verbündeten ermöglichte ihn vollständig unver-muthet aus ihrem Versteck hervor zu überfallen, wobei er fast aufsHaupt geschlagen worden wäre, seine ganze Armee verloren hätte undaller Hoffnung auf kriegerische und politische Erfolge verlustig gegangenwäre, 3) dass er keine Besatzung in die Festung der Aduatuker legteund sich dadurch einem plötzlichen nächtlichen Angriff und abermalsbeinahe einer Niederlage aussetzte, und 4) dass er nicht sofort dieihm darnach angebotene Unterwerfung einiger gallischer und germani-scher Stämme annahm. Der schwerste von diesen vier Fehlern war,nach der einstimmigen Meinung aller neueren Schriftsteller, auch Napo-leon's I., der zweite. Als Cäsar sah, dass seine Reiter und leichtenFusstruppen, welche am jenseitigen Ufer mit der feindlichen Reiterei imKampfe lagen, nicht über den Waldsaum auf der Höhe des Hügels