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Synodal-Predigt, gehalten in Elberfeld, über Hebr. 13,22
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ich bin ein sündiger Mensch?“ — Die Antwort auf die Frage sich zugeben, überlasse ich Jedem; aber ich glaube mich nicht zu irren, wennich annehme, daß im Ganzen in dieser Zeit, wo die Zuchtlosigkeit undGesetzlosigkeit oder Widrigkeit gegen das Gesetz Gottes vorherrscht,das Gefühl, wie's Jesaias hatte, nicht so gar häufig sich finden wird.Man wende nicht etwa ein, es sei mehr ein alttestamentlicher Stand-punkt der des Jesaias: wir könnten ja nun mit freiem, aufgedecktemAngesicht in die Herrlichkeit des Herrn hinein schauen und getrost unserHaupt emporheben. Allerdings können wir dieß: aber mit diesem heili-gen Muth, mit dieser Freudigkeit und Zuversicht des Glaubens, wie sieja ohne Zweifel Paulus im reichen Maße hatte, ist wohl vereinbar dieDemuth, das Beugen ohne Aufhören vor der Majestät des Herrn, wiewir bei demselben Paulus es finden, wenn er den Korinthern schreibt,er sei mit Schwachheit und mit Furcht und großem Zittern bei ihnengewesen. Wir werden wohl nicht irre gehen, wenn wir annehmen, daßwir um so mehr vom apostolischen Segen empfangen und sehen, je mehrwir von dieser Furcht des Apostels erfahren. Wenigstens für meinePerson und zumal heute wünsche ich mir, daß ich in ähnlicher Weiseunter Euch sein möge mit Schwachheit, mit Furcht und mit Zittern,wie es Paulus dort unter den Korinthern war. Ich wünsche mir dießum so mehr, da die Lage, in der ich mich befinde, indem ich als einScheidender zur Synode rede, Versuchung darbieten könnte, daß dasmenschliche Ich mehr, als Noth ist, zum Vorschein kommen wollte.Was ich dem lieben Bruder sagte, der mit vielem Ueberreden michüberredete, statt seiner heute die Synodal=Predigt zu halten, was ichihm und dem andern Bruder, der auch zur Uebernahme der Predigtmich aufforderte, sagte: schon der Gedanke würde mir lästig sein, daßirgend eine Stimmung oder Erwartung sich vorfinden möchte, diesesoder jenes Besondere zu hören, — das sage ich Allen und bitte mitdem Verfasser des Briefes an die Hebräer: „Haltet das Wort der Er-mahnung zu Gute.“ — Dieß apostolische Wort findet sich Hebr. 13,V.2. und soll auch das Thema oder der Hauptsatz meiner PredigtDie Worte lauten Vers 22. also:sein.„Ich ermahne euch aber, liebe Brüder, haltet das„Wort der Ermahnung zu Gute.“Ihr wollet also vernehmen:Die Bitte eines Scheidenden an die Synode, einWort der Ermahnung ihm zu Gute zu halten. DasWort der Ermahnung, das Ihr mir zu Gute halten wollet,