477§. 7.Europa hat nach einer sturmbewegten Zeit von 25 Jahreneines eben so langen Friedens genossen, und es scheint vor derHand, als läge kein Anlaß vor, daß dieser Frieden so baldgestört würde.Die ersten 15 Jahre nach 1815 gingen für Deutschland ineiner gewissen politischen Trägheit dahin. Die Völker benutztendie gewonnene Ruhe, um den gesunkenen Handel, die gelähmtenGewerbe wieder empor zu bringen, die Regierungen aberwußten sich zum Theil nicht in die neuen VerhältnisseDeutschlands zu finden. Je neuer ihnen die Souverainetätwar, desto mehr hielten sie darauf, und der alte Kastengeistdas Erbübel des Mittelalters regte sich überall wieder. DieEinheit Deutschlands, die so Großes gewirkt, war mit demFrieden verschwunden, jedes Land und jedes Ländchen hatteseine eignen Gesetze, seine eignen Zölle, sein eignes Maß,Geld und Gewicht — und glaubte durch diese Eigenthüm-lichkeiten seine Unabhängigkeit zu wahren und darzuthun.Von Deutsch und Deutschland war nicht die Rede, nur vondem Namen der einzelnen deutschen Völkerschaften, ja es galtfast für ein Verbrechen, an eine größere Einheit zu denken.Das Jahr 1830 brachte eine neue Revolution in Frankreichund diese hatte belebende Rückwirkungen auf Deutschland.Preußen schuf den deutschen Zollverein und legte damit denGrund zu einer Einheit Deutschlands, die nicht bloß in derWiener Bundesacte verzeichnet steht, sondern die eine wirklichezu werden verspricht. So lange die deutschen Völker getrennteHandels= und gewerbliche Interesse hatten, mußte gegen-seitige Eifersucht, mußte Handels= und Gewerbsneid herrschenund nichts wirkt trennender auf die Gemüther. Der Zoll-
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