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Die Predigten Taulers : aus der Engelberger und der Freiburger Handschrift sowie aus Schmidts Abschriften der ehemaligen Straßburger Handschriften
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17
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kl

3. An dem zwölften tage von drien mirren. 1'

not sin, daz alles daz uz müs daz der mensche mit gelust besessen hat. Daz

ist zu dem ersten gar bitter und gar swere. Alle die ding müssent dir also

bitter werden also der lust waz, daz ie sin müs. Do gehört ein gros sin und

ein behender flis zu. Darnoch der lust gros was, darnoch wurt ouch die mirre

bitter und ein bitter bitterkeit. Nu möchte man sprechen: wie mag der mensche

one genügede gesiii diewile er in der zit ist? Mich hungert, ich Lsse; mich

türstet, ich trincke; mich sloffert, ich sloffe; mich frürt und ich werme mich.

Entruwen, dis kan mir nüt geschehen daz mir daz bitter gesin muge noch

sunder genügede der naturen, das enkan ich niemer gemachen alse verre nature ^v/it

nat ur ist. Aber dise genügede sol nüt ingon noch keine stat in der inrekeit 10

haben, sol sin in ebne inlüessende mit den werken und inkein bliben mit

nute, ensol nit lust darsetzen sunder hinfliessen und nüt in eigener besitzunge

das man üt daruf raste mit genügede oder mit lust, aber losse hinfliessen alle

die genügede die du in dir vindest zu der weite, und zu den creaturen. Do

müstu natur mit natur töten und überwinden, ja die genügede die du vindest 15

mit den gotzfründen und guten menschen, daz und alles daz do du dich geneiget

vindest, daz müstu als zümole überkummen, al die wile bitze daz Herodes und

als sin gesinde die des kindes sele süchtent, in dir zümole werlichen und sicher-

lichen tot ist. Darumbe nüt enbetrüg dich selber, besieh vil ebene wie es

mit dir ste und nüt en sist zu fri. Noch ist ein ander mirre die verre überget 20

die erste, daz ist die mirre die Got git, es si welicher künne liden daz si, inne-

wendig oder ussewendig. 0 der die mirre in der minnen und uz dem gründe

neme do G-ot uz git, welich ein wunnencliche Avise wurde geborn in dem

menschen, ouch welich ein fröide, welich ein friede, welich ein edel ding daz

were! Ja daz minste und daz meiste liden daz Got iemer uf dich lat gevallen, 25

daz get hie uz dem gründe siner unsprechenlichen minnen und also grosser

minnen also die höhste und beste gäbe die er dir geben möhte oder ie gegap,

kundestu eht genemen, wer dir also nütze; ja alles daz liden, daz aller

minste har daz von dinem höbete ie geviel des du nüt enachtest, sprach unser

herre: 'ein bor sol nüt ungezalt bliben'; ja es mag niemer so kleine liden uf dich so

gevallen, Got habe es eweklich angesehen und daz geminnet und gemeinet, und

also gevellet daz uf dich. Also vil diu vinger, als dir tu diu houbt we, dich

friere an din füsse, dich hunger oder turste, man betrübe dich mit Worten oder

mit werken, oder waz dir iemer gewerden mag daz du nöte hast, daz bereitet

2. bitterre 91. C. genügde 88. 7. und f. 91. 8. nit besehenen 88.

11. enkein 88. 15. mit der n. 88. 17. alles z. 88. untz d. 91. 19. s. nüt tot S,

'Durchgestrichen' [88]. 21. künne] bände 88. 22. usser 91. 23. werlichen 91.

24. och 91. 2G. usser 8S. 27. gap SS. 28. also f. 88. 30. kleine] ein kleines 91.

32. zu Also vil] 'Cod. 88. Von späterer Hand durchgestr. und durch folg. ersetzt:als er es

angesehen het. Also wie dir tu" (fehlt in Cod. 89)'. 32. als] oder 88. 34. mit vorwerken f. 88.

Deutsohe Texte des Mittelalters XI. 2