61Darlegung des Herzens vor Gott am Abend-mahlstage.Und nun, bevor ich hingehe zum Gnadentische,vergegenwärtige ich mir noch einmal meine ganzeStellung vor meinem Herrn und Gott, und allemeine Bedürfnisse, mit welchen ich vor Ihm er-scheine. Ich gedenke meines äußern Lebens-ganges bis an diesen Tag: Von meiner Jugendan hat Gott seine väterliche Güte und Barmher-zigkeit an mir erwiesen und verherrlicht, und zahl-lose Proben mir gegeben, wie so gut Er's mit mirmeint; an vielen Nöthen hat Er mich gnädig vor-übergeführt, in andern mir durchgeholfen, und Alles,was ich jetzt bin und habe, ist ein freies unver-dientes Geschenk seiner Gottesgnade. Wer bin ich,daß Du mich bis hierher gebracht hast? Ich binzu gering aller Güte und Barmherzigkeit, die Duan mir gethan! — Vor Allem danke ich's heutemeinem Gott, daß Er meiner Seele sich so herz-lich angenommen und mich zu sich gezogen hat auslauter Güte. Was würde aus mir geworden sein,hätte Er mich mir selbst überlassen und meinemeitlen Sinne, und nicht mit Seiner Gnade einge-griffen in mein Leben! Das kann ich in alle Ewig-keit Ihm nicht genugsam danken, wie er nach seinerHirtentreue mir in meine Verirrung nachgegangen,mich gesucht, mir den Weg des Verderbens mitOornen vermacht und mich in Seine Gemeinſchaftgebracht hat. — Nun kenne ich Ihn und habeHeil gefunden für meinen Schaden bei Ihm; nunweiß ich, mir ist Barmherzigkeit widerfahren! Nicht
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