56der evangelischen Kirche ist es vielfach Sitte, vordem Genuß des Abendmahls zu fasten, und desTages nicht eher Speise und Trank zu genießen,bis man das heilige Brod und den Kelch empfan-gen hat. — Wem es dient, sein Gemüth desto freierzu Gott zu erheben, der thue es; ein Gebot aberhat uns Christus darüber nicht gegeben; und eswäre wider die Freiheit des Evangeliums, wennman eine Regel daraus machen, und auch Solchegar dazu nöthigen wollte, die dadurch innerlich ge-stört und zur Sammlung ungeschickter würden. Ichwill Niemand verachten um des Fastens willen;weiß aber, die leibliche Uebung ist wenig nütze, undwill auch mir kein Joch auferlegen lassen, davonuns Christus befreiet hat, sondern heute mit ebender Danksagung und Freimüthigkeit mein täglichesBrod, wie sonst, genießen, ja mit noch erhöhtemDanke, indem es mir heute mehr, als an andernTagen, nahe liegt, wie wahr es ist:Jeder Bissen Brod ist GnadeJeder Trunk Barmherzigkeit,Der mir armen sünd'gen MadeTäglich von ihm angedeiht.Noch weniger ist in Hinsicht der Kleidung unddes äußeren Erscheinens uns ein Gebot gegeben.Nur das will ich vor Augen haben, daß Schmuckund Pracht der Eitelkeit am wenigsten zu der Feiergehört, die den Tod Jesu verkündigen soll. Darumhinweg damit! die Seele zu schmücken auf dieseFeier, das sei mein Augenmerk.
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