KINDERPROZESSION AM PALMSONNTAGE
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Tränen der Süßigkeit und Andacht rannen über die Wangen. ImDome angelangt, brachten die Gläubigen zunächst Gott das Opferihres eigenen Herzens dar und spendeten dann auch für das Leih-haus Wertgegenstände aller Art, Geldstücke, Ringe, silberne Löffelund Gabeln und allerhand Tücher. Auf dem Platze vor S. Marcoführten die Brüder in ihrer weißen Ordenstracht, mit Kränzen aufihren Häuptern, unter Lauden- und Psalmensang einen den gan-zen Platz füllenden Reigen auf, worüber die Zuschauer in Tränender Rührung und Tröstung zerflossen. Es war wirklich ein wun-derbarer Tag, voll Entzücken und Wonne, an dem das ganze Volkaus Liebe zu Christus närrisch und Florenz ein neues Jerusalemgeworden schien 54 . Ganz ohne Störung verlief die schöne Feierjedoch nicht. Nahe der Dreifaltigkeitsbrücke wurde die Prozes-sion von den Compagnacci mit Steinen beworfen, so daß sich dieTeilnehmer, darunter die angesehensten, in den höchsten Ämternergrauten Männer, wohl oder übel gezwungen sahen, Gleiches mitGleichem zu vergelten und die verkommene Rotte in die Fluchtzu jagen 55 .
Unwillkürlich geneigt, seine nüchterne Auffassung von der un-nahbaren Abgeschlossenheit des Ordensstandes auf die heitere Zeitdes mittelalterlichen Südens zu übertragen, die eine solche Sonde-rung nicht kannte, sondern alle Schichten der Bevölkerung, geist-lich und weltlich, Bürger und Gesinde, Kaufleute, Soldaten,Bauern, Mönche und Nonnen aller Orden, Farben, Trachten undLänder kunterbunt durcheinanderwürfelte, fühlt sich der zopfigeNordländer durch fromme Tänze vom Schlage der eben geschil-derten florentinischen abgestoßen, und da er den Abstand vomErhabenen zum Lächerlichen gering bemißt und des natürlichenSinnes für das Kindlich-Naive, Malerische solcher Auftritte erman-gelt, so rümpft er hierüber gerne überlegen die Nase und denkthierbei an das abstoßende Treiben der Heilsarmee oder spricht / / 'gar von derwischhaften Szenen 56 . Und doch war der Frate selbst 'weit davon entfernt, das Außerordentliche solcher Aufführungen,die er selbst als heilige Torheit (pazzia) bezeichnete 57 , zu verkennen.Doch verwandte er sie lediglich als Ersatz für die dem Volke ent-zogenen Lustbarkeiten, ohne etwas Anstößiges an ihnen zu finden.Stieß er doch auch in der Heiligen Schrift wie in seiner unmittel-baren künstlerischen Umgebung auf erlauchte Vorbilder solch»närrischen" Treibens. Hatte nicht schon König David vor der