WIDERSTÄNDE UND MISSGRIFFE 283
wie ehedem!" „O Vater," entgegnete sie ihm, „wir meinteneuer Lob zu verdienen, und wir fürchteten heftigen Tadel zuernten, wenn wir mit Steinen würfen oder andere unehrbareDinge begingen, und nun tut ihr gerade das Gegenteil." Daraufging der Mann wütend mit den Worten von dannen: „Ihr seidHalunken 64 ." Anderseits wäre es ein reines Wunder gewesen,wenn sich die Jünglinge in ihrem frommen Ungestüm nicht zumancherlei Übergriffen hätten fortreißen lassen. Sie begnügtensich nicht immer mit sanftem Zureden und gütlichen Vorstel-lungen, sondern schreckten gelegentlich auch vor Gewalttätigkeitnicht zurück. Da sie in Scharen von 25—30 auftraten, so ver-breiteten sie namentlich unter den Spielern Furcht und Schrecken;diese nahmen daher Reißaus, sobald sie nahten 65 . Da der Frateerklärt hatte, das Volk sei sein eigener Herr und befugt, aufRechtspflege zu dringen, wenn die zuständige Behörde hierinnachlässig sei 66 , so verlangten die Kinder sogar, die Bestrafungder Lasterhaften in die Hände zu nehmen; doch ward ihnenbedeutet, das sei nicht ihre Sache 67 . Natürlich blieben ihnen Miß-griffe auch bei ihrem Vorgehen gegen die Tracht vornehmerDamen nicht erspart, deren Angehörige sich um so bittererbeschwerten, wenn die Beanstandung von den Abkömmlingeneines verfeindeten Hauses ausgegangen war; gewiß stieß es auchab, daß sie sich hierbei schreckenerregender Abbildungen desTodes und ähnlicher Dinge bedienten 68 . Endlich taten sie mitdem Rufe: „Es lebe Christus, unser König!", des Guten ent-schieden zu viel. Der Frate verwies ihnen zwar ihre Unarten,fügte aber zu ihrer Entschuldigung bei, die Wandlung zum Guten,die sich mit ihnen vollzogen habe, sei so unverkennbar, daß manihnen einiges nachsehen müsse. Besonders dürfe man ihnen dieWegnahme der Karten nicht zu hoch ankreiden, da sie doch nurden besten Zweck hiermit verfolgten und als Kinder auch ihrenSpaß haben müßten, zumal da sie keinen Skandal verursach-ten 69 . Wenn man vielfach jammerte: „Wir sind eine Beute derKinder geworden", so gab der Frate zur Antwort 70 : „Nein, wirsind nicht ihre Beute. Was tun denn die Kinder Übles? Sie ver-hindern das Spielen, und das ist gut. Lauer, entweder willst duspielen oder nicht. Willst du nicht spielen, so brauchst duvor den Kindern keine Angst zu haben; ich meinesteils habekeine Furcht, daß sie kommen und mir die Karten weg-