Druckschrift 
1 (1924) Das Leben
Entstehung
Seite
168
Einzelbild herunterladen
 

i68 SAVONAROLA UND KARL VIII.

kung göttlichen Zornes, in den Werken der Buße die besten Mittelzu seiner Beschwichtigung zu erblicken, kam solchen Anord-nungen willig nach. Die Signorie selbst ließ durch den erzbischöf-lichen Generalvikar Laien wie Geistlichen und Ordenspersonenzweimaliges strenges Fasten, das eine Mal bei Wasser und Brot,vorschreiben und dreitägige Bittgottesdienste in allen Kirchen ab-halten 28 . Von ganzem Herzen seine Zuflucht zu Gott zu nehmen,das erschien aber um so nötiger, je schlimmer die Nachrichtenwaren, die von außen eintrafen. Grenzenlose Bestürzung und Ent-| rüstung rief die Hiobspost von der Übergabe der Festungen durchPeter an die Franzosen hervor 29 . Man befürchtete, er werde vorallem für sich und seinen eigenen Vorteil gewirkt und den Zorndes Königs ob der wiederholten Ablehnung seiner Forderungenauf die Stadt abgelenkt haben, der ja die Plünderung durch denletzten französischen Gesandten ohnehin schon in Aussicht gestelltwar. Um das Schlimmste von ihr abzuwenden, beschloß dieSignorie in einer Sitzung 30 , zu der sie auch die früheren Gonfalo-nieri beizog, die Abordnung fünf der angesehensten Männer anden König; und auf den Antrag Peter Capponis ward einhelligfür gut befunden, daß ihr auch Savonarola angehören solle,einMann heiligen Lebens und Wandels, beherzt, tüchtig, erfahrenund von großem Rufe 31 ". In der Tat richteten sich damals allerAugen auf den Prediger von S. Marco; sogar aus Rom kam manum Ratschläge an ihn 32 .

Savonarola sah in Karl VIII. viel mehr als einen bloßen Er-oberer. Er hielt ihn für den Mann der göttlichen Vorsehung, fürGottes Werkzeug zur Durchführung alles dessen, was ihm selbstals die große Aufgabe der Zeit erschien. Reform der Kirche anHaupt und Gliedern und Bekehrung der Ungläubigen, das war dasheilige Werk, dem er sein Leben gewidmet hatte. Die Besserungder Gläubigen wie die Bekehrung der Ungläubigen standen aberseiner Überzeugung gemäß in unauflöslichem Zusammenhangemiteinander 33 ; erstere bildete ihm die unumgängliche Voraus-setzung der letzteren, letztere die notwendige Folge der ersteren.Gerade darin äußerte sich nun aber in seinen Augen das Verderbender römischen Kirche in seiner ganzen Größe und Furchtbarkeit,daß es nicht von selbst, nicht von innen heraus zur Umkehr trieb,sondern das Eingreifen einer äußeren Zwangsgewalt notwendigmachte, als deren Vollstrecker bei der engen Verbindung aller