DER GENERALVIKAR VON S. MARCO i 3 5
von Brüdern nach Siena, um die Reform des dortigen Klosters vomHeiligen Geist in die Hand zu nehmen. Allein die Insassen ließensich nicht so ohne weiteres verdrängen, steckten sich hinter dasVolk und zwangen mit seiner Hilfe die florentinischen Eindring-linge zu schleunigem Rückzuge 74 . Einen leichten Erfolg konntedie Reform dagegen wieder in Prato erringen 75 , das der floren-tinischen Herrschaft unterstand. Klagen, die beim Ordensgeneralund bei der florentinischen Signorie über das ärgerliche Lebender Konventualen von S. Dominikus einliefen, gaben den Anlaß,die strenge Observanz auch hier einzuführen 76 , womit natürlichder Obere von S. Marco betraut wurde. Die Konventualen mußtenihr Kloster räumen, in welches am 30. Januar 1496 sechsund-zwanzig Brüder von S. Marco mit P. Anton von Holland als ihremPrior ihren Einzug hielten, vom Ordensmeister Joachim Turriano,der selbst zugegen war, freundlichst begrüßt und in ihr neuesHeim eingeführt 77 . Ein weiteres Tochterkloster gewann S. Marco,indem es das von Ordensgenossen versehene Bethaus S. Mariavom Felsen im Casentin zum vollen Kloster ausbaute und mitvierundzwanzig Brüdern bevölkerte 78 . Die von der lombardischenKongregation abgetrennten Klöster S. Marco zu Florenz undS. Dominikus von Fiesole traten im Mai 1495 zur Kongregationvon S. Marco zusammen, der sich dann auch S. Maria vom Felsenund S. Dominikus von Prato angliederten. Zugleich beschlossendie zum ersten Generalkapitel der neuen Kongregation versam-melten Väter, einen Generalvikar zu bestellen; ihre einstimmigeWahl fiel sofort auf Savonarola 79 .
Der Ordensgeneral Turriano war der neuen Kongregation an-fangs ebenso wie ihrem Oberhaupte, dem Ferraresen, durchausgewogen und tat alles, um ihnen ihr Aufkommen zu erleichternund die Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, die sich widersie von allen Seiten erhoben. Namentlich waren es die lombardi-schen Observanten, die sich in die neuen Verhältnisse nicht zuschicken verstanden und ihrem begreiflichen Ärger über denschmerzlichen Verlust so stattlicher Klöster wie S. Marco undS. Dominikus von Fiesole in Schmähungen und VerdächtigungenLuft machten, die sie bei Ordens- und Weltleuten wider die Ur-heber und Mitglieder der neuen Kongregation schleuderten. DerOrdensgeneral mißbilligte dieses gehässige Verhalten der Lom-barden aufs schärfste und untersagte ihnen alle derartigen Ver-