VII. Kapitel.
DIE KONGREGATION VON S. MARCO.
Lorenzos Tod zog nicht bloß in der großen Welt der italieni-schen Politik, sondern auch in der kleinen Gemeinde von S. Marcotiefgreifende Folgen nach sich. So sehr sich Savonarola als Priorbemühte, seine volle Selbständigkeit gegenüber den beherrschen-den Einflüssen zu behaupten, die sich vom Palaste der Medici ausüber alle Verhältnisse und Personen des Staatswesens erstreckten,so war doch das Gewicht des persönlichen Ansehens des glänzend-sten unter den Medici zu stark, als daß der Obere von S. Marcohiergegen auf die Dauer aufzukommen vermocht hätte. Und dietatsächlichen Verhältnisse waren nicht umzustoßen. Es war nichtzu leugnen — die Brüder von S. Marco aßen das Gnadenbrot derMedici. Ganz Florenz wußte es aber längst zur Genüge: die Medicitaten nichts umsonst. All die Spenden, die sie bedürftigen Künst-lern, Humanisten, Kirchen und Klöstern zuwandten, waren ledig-lich „der Ausfluß einer höchst klugen Berechnung, die in jederneuen Gabe ein neues Bindemittel erblickte 1 ". Die Mönche vonS. Marco mochten noch so eifrig Gott dienen — in den Augen desVolkes zählten doch auch sie zu den Hörigen, die des Lied sangen,des Brot sie aßen. Diese wirtschaftliche Abhängigkeit konnteihnen und ihrer seelsorgerlichen Wirksamkeit bei dem weit ver-breiteten, wenn auch zunächst noch versteckten Hasse, der aufden Medici lastete und sich von diesen unwillkürlich auch auf ihreGeschöpfe übertrug, natürlich nur abträglich sein. Wie hätte essich überdies mit dem Glänze des Hauses Medici vereinbarenlassen, daß ein von ihm gestiftetes Kloster in völliger Armut lebte?Als mediceisches Hofstift konnte S. Marco das Beformkloster niesein, das es von Anfang an hatte sein wollen und erst recht imSinne Savonaralos sein sollte; wie können, sagte man, Bettel-mönche in einem so schönen Hause wohnen? 2 Kaum hatte nunLorenzo die Augen geschlossen und sein ihm unebenbürtiger SohnPeter die Herrschaft übernommen, als für Savonarola die Stunde