„8 DER PRIOR VON S. MARCO
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jener Gewitternacht den erschütternden Kriegsruf vom Schwerte' Gottes an, das rasch und bald über die Erde kommen werde 52 .Mit einer Art Grauen gewahrte man nun, daß sich sein Wort, er
{r selbst werde bleiben, Lorenzo dagegen müsse von hinnen gehen,so bald schon erfüllte 53 .
Und kaum waren wenige Monate seit dem Tode Loren-zos verstrichen, da stellte sich auch schon das von ihmebenfalls vorhergesagte Ende des Papstes Innozenz VIII. ein,der am 25. Juli 1492 verschied. Am ll. August hatte dieKirche in Roderich Borja, der sich Alexander VI.nannte, ein neues Haupt. Es war . in Florenz durchauskein Geheimnis, daß er das Papsttum in ausgeschämterSimonie erkauft hatte 54 . Aber nicht nur seine simonistische Wahl,sondern auch seine ganze Vergangenheit wie seine Persönlichkeitselbst mußte allen Ernstgesinnten zum größten Ärgernisse gereichen. Denn Roderich Borja, Spanier, bzw. Katalane, gleich seinemOnkel Calixt III., zu Xativa bei Valencia um 1430 geboren, galt alsMarrane, worunter man damals einen getauften, aber seiner Reli-gion heimlich treu gebliebenen Juden verstand 55 . Mit andern Wor-ten, man hielt den neuen Papst für einen mit dem christlichenGlauben zerfallenen Menschen, und die Unverfrorenheit, mit der ersfch nicht bloß als einer der ersten Kardinäle und höchsten Kir-chenfürsten, sondern auch noch als Papst offen und ungescheutüber die einfachsten und heiligsten Sittengesetze hinwegsetzte 56 ,schien durchaus dafür zu sprechen, daß er wenigstens tatsächlichgleich manchen anderen weltlichen und geistlichen Herren vollen-deter Glaubens- und Gottlosigkeit ergeben sei 57 . Nach mensch-lichem Ermessen hätte demnach den zuversichtlichen Erwartun-gen und Ankündigungen einer bevorstehenden Kirchenreform, wie
? sie in Savonarola verkörpert waren, kein schlimmerer Stareich ge-spielt werden können als eben die Wahl Alexander VI. Er aberließ sich auch durch sie nicht beirren, sondern sah gerade in ihrdas sicherste Zeichen der nahen kirchlichen Züchtigung und Er-neuerung, von der unerschütterlichen Überzeugung geleitet, daß,wo die Not am größten, Gottes Hilfe am nächsten sei. „Du meinst",so erklärte er später 58 , „mit einem Male schwebten der heiligePetrus und die heiligen Bischöfe (zur Kirchenreform) auf die Erdenieder. Aber nicht so verlaufen die Dinge Gottes. Ich erinneremich, als ich dir am Anfange verkündete, die Kirche bedürfe der