VORREDE ZUR ZWEITEN AUSGABE XXXIX
Ob die Ungleichheit der Strophen allmählich zu dem aufgeben derstrophischen form für die erzählung und die Ungleichheit der verse inleichen wie die summa theol. zu den regellosen versen erzählender oderlehrhafter gedickte geführt hat (vgl. s. 334. 415), lasse ich unerörtert. desgrofsen behälters der reimprosa, den Wackernagel hergerichtet, wird sichniemand bedienen, der nicht gedickten des XI/XII jh. gegenüber vonvornkerein auf prüfung und kritik glaubt verzichten zu müssen, prüfungund urteil sollen noch erst ausmachen, wie weit die regellosigkeit des Vers-baues in ihnen geht, die kritik muss allerdings bei ihnen mit aller vor-sieht und Schonung verfahren, aber mit blofsen abdrücken der hss., die wieder der Benediclbeurer predigtsamlung nicht einmal für ein bequemescitieren sorgen, noch weniger die wahre gestalt und beschaffenheit einesdenkmals klar und anschaulich machen und seinen sachlichen inkalt lieberganz unberührt lassen, ist wenig oder gar nichts mehr gedient, wenngegen das ende des XI jh. in der Wetterau oder einer benachbartenlandschaft der Christ und Antichrist (XXX11I), in Österreich die genesisgedichtet wird, so sieht man wohl, dass die unslrophische form der er-zählung schon längere zeit in gebrauch gewesen sein muss. aber ihrgleichzeitiges hervortreten mit gedickten in ungleichen versen und an-dern strophischen, die Stoffe selbst des Christ und der genesis, dieersten, auf die die dichterische tätigkeit von geistlichen verfallen muste,weisen hin auf eine neue epoche der dichtung, die wir vorläufig gegen1070 setzen dürfen, von da an setzt diese tätigkeit im mittleren undnordwestlichen, wie im südostlichen Deutschland sich fort, bis zu endedes XII und anfang des XIII jh. die neue höfische kunst der laien sieablöst, es kommt darauf an, die reihe der mitteldeutschen gedickte vomChrist und Anno bis zu Morant und Galie oder Alhis und Prophiliasund die der südöstlichen von der genesis bis auf Konrad von Fufses-brunnen und was sich daran sonst noch aus dem übrigen, Süddeutsch-land anschliefst genauer festzustellen, die in ihrer Unschuld und einfaltanziehende poesie des Xll jh., in der auch noch mancher ton erklingt,der später leider versckollen ist, verdient eine sorgfältigere, eingeke?ulereund zusammenhängendere belracktung als ihr bisher noch zu teil ge-worden ist, und der einsieht wird sich nun wohl niemand mehr ver- xxxvschliefsen, dass ihre geschickte noch eine andre, bestimmlere gestalt ge-winnen muss. eine samlung und bearbeitung verschiedener kleinererstücke und fragmente würde in die wichtigsten fragen und Untersuchungenführen und vielleicht xoäre dies der richtigste weg zur lösung der auf-gäbe, fiele sie nur in die reckten kände, könnten wir uns wenigstenskeinen besseren erfolg wünschen als eine solche forlsetzuug und ergänzungdieser arbeit.
Die abfassungszeit zum teil gerade der grasten und wichtigsten ge-dickte slekt fest: der gesang des Ezzo (vor bischof Günthers lode) um 1060,die genesis wokl noch vor 1075, der Anno um 1080, meregarto um1090, Melker Marienlied und Salomon (anm. zu XXXV, 16, 8) vor1130, Konrads Ruland um 1130 (und gleichzeitig etwa der Alexander?),