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1 (1924)
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HEBBEL

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diesem vier regelrechte Uraufführungen; dazu kam noch die Auf-nahme der „Judith" auf dem Burgtheater. Dieser Sturmschritt stockteaber sofort, als die Reaktion über Deutschland und Österreich herein-brach. Ein Parallelismus der Ereignisse, der sogleich den Schluß auf-drängt : daran wird wohl außer der sprichwörtlichen Gleichgültigkeitder deutschen Theaterdirektoren auch der Zensor stark beteiligt ge-wesen sein. Eine nähere Untersuchung kann diese Vermutung nurbestätigen.

Im Herbst und Winter 1839/40 hatte Hebbel seine erste Tragödie,Judith" geschrieben. Etwa am 16. Februar 1840 sandte AmalieSchoppe ein Exemplar des eben fertig gewordenen Manuskriptdruckesan die Berliner Schauspielerin Auguste Stich-Crelinger, die bei einerdortigen Aufführung als Darstellerin der Titelrolle allein in Betrachtkam. Schon am 29. Februar antwortete Frau Crelinger, und zwar miteinem Briefe, der ihrer Klugheit und geistigen Empfänglichkeit alleEhre machte. Sie hatte die „Judith" gleich zweimal gelesen, und wassie über den „eminenten Beruf" des neuen Dichters für das Dramasagt, ist keine Redensart, sondern der Ausdruck ehrlichster Über-zeugung und tiefster Ergriffenheit.

Aber — nun kamen die Einwendungen: so wie das Stück geschrie-ben sei, könne es unmöglich aufgeführt, vielmehr müsse „Vieles undoft das Schönste" gestrichen werden. „Ich empfinde das an mir selbst,"versicherte die Dame. „Ich gehöre nicht zu den Prüden und dochmöchte ich das Stück, so wie es ist, meinen Töchtern nicht zu lesengeben und möchte es keinem Manne vorlesen oder mir von ihm vor-lesen lassen." Frau Stich-Crelinger gehörte allerdings nicht zu denPrüden; '„am Knie der Frau Crelinger" (sie wohnte in Charlotten-burg am „Knie") war ein beliebtes zweideutiges Berliner Witzwort;es wurzelte in einem Abenteuer der Schauspielerin mit einem GrafenBlücher, das ihren ersten Mann, den Schauspieler Stich, das Lebenkostete; der eifersüchtige Ehemann erwischte den Liebhaber imHause, und der Offizier stach den unbequemen Frager einfach mitdem Dolche nieder. Das war allerdings schon sechzehn Jahre her;unterdes war Frau Crelinger, wie sie seit ihrer zweiten Ehe hieß, ältergeworden, sie hatte zwei erwachsene Töchter, und unter diesem Ge-sichtspunkt pflegen sich die Begriffe von Sittlichkeit gewöhnlich zuändern. Frau Stich war jetzt eine tadellos „anständige" Frau.

Sie war aber auch eine praktische Schauspielerin und machte sofortgenauere Vorschläge, wie dem sittlichen Übel der Hebbelschen Tragö-die abzuhelfen sei. Die „beiweitem zu durchsichtige" Beschreibung derHochzeitsnacht im 2. Akt müsse ganz geändert oder gestrichen wer-den; übrigens verstehe sie auch den Sinn derselben nicht. Ebenso un-möglich sei verschiedenes im 5. Akt in der Unterhaltung des Holofernesmit dem Hauptmann, „besonders die Stelle: ,Weib ist Weib'" und in