FREILIGRATH ^82
Anregung (27. Februar), und Anfang März 1842 überraschte den Dich-ter die Nachricht des Kanzlers, daß er durch Bewilligung der Pensionder elendesten Tagessorge los und ledig sei. Im April liefen die ersten75 Taler ein. Da Freiligrath gerade schlecht bei Kasse war, bat er, manmöge das Jahrgeld auf den 1. Januar zurückdatieren; noch ehe ihm auchdas huldvollst gewährt war — Hausminister Graf Anton zu Stolberg-Wernigerode beantragte es in einem eigenen Schreiben vom 31. Au-gust —, brach er sein Zelt in Darmstadt ab und zog nach St. Goar anden Rhein, wo er, sanges- und trinkfreudig, die beiden glücklichsten,von Poesie, Naturgenuß, Liebe und Freundschaft verklärten Jahreseines Lebens zubrachte. Schon 1841 scheint ihm Prinzessin Marianne,Gemahlin des Prinzen Wilhelm, damaligen Gouverneurs der Rhein-provinz, Aussicht auf eine Berufung nach Berlin gemacht zu haben,wo ihr Neffe, der neue Preußenkönig, einen Kreis von Paladinen derWissenschaft, Literatur und Kunst um sich zu ziehen begann, die abermeist schon Invaliden waren; man dachte an eine Stellung bei derKöniglichen Bibliothek; aber ob der junge Dichter dem einmal vonTheodor Mommsen für diesen Beruf gebrauchten Wort „Staub soller fressen, und mit Lust" zur Zufriedenheit seiner Vorgesetzten würdenachgelebt haben, ist mindestens fraglich. Er selbst verfolgte damalsnoch einen andern Plan: er wollte mit dem Lehrer Karl Noback ausErfurt in Berlin eine Handelsakademie errichten. Am 11. Dezember1841 baten die beiden Unternehmer dafür um Unterstützung ausStaatsmitteln. Aber die Berliner Kaufmannschaft leugnete das Be-dürfnis einer solchen Anstalt, und ob Freiligrath für deren Leitungdie „nötige Ausdauer" mitbringen würde, erschien den Ministem, „be-sonders nach seinen bekannten Lebensverhältnissen", höchst zweifel-haft! Sie waren daher für Ablehnung des ganzen Gesuchs. Der Königjedoch, durch Humboldt dafür interessiert, bestand auf einem Ver-such ; da aber die Staatsunterstützung dürftig ausfiel, zog sich Frei-ligrath von der Sache zurück. Den Ministern war das sehr willkommen.Das ihm unterdes bewilligte Jahresgehalt war dem Poeten zweifellosbekömmlicher. Ausschlaggebend für die königliche Gunst war jeden-falls sein Gedicht auf den Tod des Diego Leon, „Aus Spanien", mitden vielzitierten Versen: „Der Dichter steht auf einer höhern Warte,Als auf den Zinnen der Partei" — eine stolze Absage an die damalsunter Georg Herweghs Führung mit klingendem Spiel aufziehendepolitische Lyrik; das Gedicht war im November 1841 im Stuttgarter„Morgenblatt" erschienen und hatte eine monatelange Fehde in Rei-men und Prosa entfesselt.
Freiligrath war also nun Königlich Preußischer Pensionär und,wenn auch nicht hoffähig, doch hofpflichtig insofern, als er beipassender Gelegenheit dein Könige persönlich seinen Dank ab-statten mußte. Diese Gelegenheit bot im September 1842 das Kölner