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1 (1924)
Seite
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17 ALEXIS

Anlaß zu einem Polizeiverbot gab; verheißungsvolle Keime dieser Artmit Liebe zu hegen, ist keinem von ihnen je in den Sinn gekommen.Das Recht des Schriftstellers zu freier Betätigung wurde erst im er-bitterten Kampf gegen die Zensur erobert. Um die Existenz derSchriftsteller bekümmerte man sich — damals so wie heute! — nochweniger. Alexis hatte gehofft, sich durch die Herausgabe jenerZeitschrift zugleich eine wirtschaftliche Grundlage seiner unsicherenExistenz zu schaffen — ohne Angabe von Gründen wurde ihmdas verwehrt. (Akten des Geh. Preuß. Staatsarchivs Rep. 77 IIGen. 19 Bd. 2; Rep. 77 II A 36; Rep. 30 Berlin C Tit. 165 Nr. 32Bd. 4.)

Obgleich demnach Alexis eine fast engelhaft weiße Weste aufzuwei-sen hatte, deren sich keiner seiner jungdeutschen Zeitgenossen rühmenkonnte, wurde gerade er zum Helden einer Zensurepisode, die damalsnicht geringes Aufsehen, ja einen „außerordentlichen Eindruck" machte,wie einer der österreichischen Literaturspitzel am 4. April 1843 nachWien meldete (s. Glossy, „Literarische Geheimberichte aus dem Vor-märz" II 69) ; zeigte sie doch wieder einmal in drastischer Form,welcher Cäsarenhochmut sich in Wahrheit hinter den liberalen Phra-sen des mit so großen Hoffnungen begrüßten Königs Friedrich Wil-helm IV. verbarg, und was ein Schriftsteller, den die Mark Branden-burg und ihr Fürstenhaus als ihren ersten und damals einzigen Heimat-dichter mit Jubel hätten auf den Schild erheben sollen, von dem Gottes-gnadentum dieses Regenten zu befahren hatte. Am 19. April 1843brachte die „Leipziger Locomotive" (Nr. 16), die von dem DemokratenHeld herausgegebene Zeitschrift, die damals durch ihren ebenso volks-tümlichen wie derben Ton das weitaus am meisten gelesene Blatt war,ehe auch sie unter den Streichen der Zensur verendete, folgendeschnurrige Notiz:

„,Auch Du, mein Sohn Brutus?!' Hr. Hering (Willibald Alexis) inBerlin ist bekanntlich einer der gutmüthigsten Schriftsteller des Welt-alls und hat seine streng loyale Gesinnung erst durch sein letztesWerk, den brandenburgisch-preußischen Roman ,der falsche Walde-mar', genügend documentirt. Gleichwohl ist auch er dem Geschickverfallen, zu den Judenjungen, Aufwieglern, Malcontenten' und wiealle die Ehrentitel liberaler Schriftsteller heißen, geworfen zu werden.Er hat sich nämlich, als Mitarbeiter der Vossischen Zeitung, beimKönige über einige ihm widerfahrene Censorstriche beklagt, und wennsich Willibald über Censorstriche beklagt, so kann man sich eine Vor-stellung von diesen Censorstrichen machen. — Gleichwohl ist ihm dar-auf unterm 26. März eine scharftadelnde Cabinetsordre als Antwortzugegangen, worin das Misvergnügen ausgedrückt ist, auch ihn, denWillibald, unter der schlechten Presse zu finden."

Die Kabinettsorder, von der hier berichtet wird, war seit Anfang