Druckschrift 
2 (1928)
Entstehung
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557
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557 URANIA

zur Rede gestellten Polizeiminister in begreifliche Erregung. Wollteder „Herr Graf ein Tänzchen wagen?" Herr v. Schuckmann war derMann dazu, dem Staatskanzler eins aufzuspielen! Diese Brüskierungseines ganzen Ministeriums konnte er unmöglich ohne nachdrück-lichen Widerspruch hinnehmen, und wenn es nicht gelang, dieKabinettsorder vom 9. Mai rückgängig zu machen, mochte der Staats-kanzler sehen, wer ihm in Zukunft die Zensurgeschäfte besorgte!Dieses Entweder-Oder mit allen seinen Folgen war unvermeidbar.Schuckmann legte also zunächst die Kabinettsorder beiseite, ohnedie dadurch befohlenen Verfügungen zu erlassen, und wandte sichnun seinerseits unmittelbar an den König in folgendem Schreiben,das (aus dem angegebenen Grunde, vgl. dazu Brockhaus, III, 281Anmerkung) ebenfalls bisher unbekannt war:

„Wenn Eure Königliche Majestät geruhet haben, durch die Aller-höchste ehegestrige Kabinets-Ordre die, gegen die Verlags- undCommissions-Artikel des Buchhändlers Brockhaus in Leipzig ange-ordnete Recensur zu suspendiren, so fordern Diensttreue und Amts-pflicht mich auf, Allerhöchst-Denenselben über die Verhältnisse desBrockhaus und über dieFolgen dieser Suspension nachstehende That-sachen und Besorgnisse ehrerbietigst vorzutragen. Eurer König-lichen Majestät gnädigster Verzeihung schmeichle ich mir dabei umso zuversichtlicher, als die so äußerst zweckmäßige Recensur nichtauf meinen Antrag, sondern aus Allerhöchst eigner Bewegung durchdie Königliche Kabinetsordre vom 2ten Mai vorigen Jahres ange-ordnet worden.

Eure Königliche Majestät geruhen, Höchst-Sich zu erinnern, daßdies erfolgte, nachdem alle übrige Maßregeln gegen den Preß-Unfug des Brockhaus vergebens erschöpft waren, um den Zügel-losigkeiten eines Buchhändlers Ziel zu setzen, der es sich recht eigent-lich zum Geschäft gemacht hat, aus seiner Verlägshandlung allesanzugreifen und zu untergraben, was für den Staat und rechtmäßigeVerfassungen wichtig und heilig ist und aus dessen Handlung seitJahren recht eigentliche Schmähschriften gegen diese Regierungenund deren Maßregeln gegen religiöse und politische Irrlehren undUmtriebe ausgingen und die besonders Eurer Königlichen MajestätMonarchie und Regierung zum Gegenstande ihrer unwürdigenThätigkeit gemacht hat, und dabei selbst das Verdienst und dieTreue eines Theils Ihrer Armee, ja sogar Eurer Königlichen Maje-stät Allerhöchste Person, so wie das geheiligte Andenken an IhreMajestät die Königin nicht geachtet hat. Die Motive, welche diesenBuchhändler seit Jahren in einer, mit jedem Jahre actenmäßig stei-genden Progression zu einer Reihe solcher Zügellosigkeiten undzur Umgehung und Trotz gegen alle Gesetze und gesetzliche Maß-regeln verleiteten, Motive, unter welchen Hinneigung zum schlechten