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2 (1928)
Entstehung
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544
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SIMROCK 544

auf sich beruhen. Ihr blieb nur noch die Aufgabe, in den Zensur-verhältnissen „Remedur" zu schaffen. Daß Langbein zur Beauf-sichtigung des Blattes nicht mehr geeignet sei, darin waren Ministerund Oberpräsident einig. Letzterer schlug als Ersatz den Geh. Re-gierungsrat Grano vor. „Unmöglich!" erklärte Herr v. Schuckmann;„Grano ist zu sehr beschäftigt und gerade derjenige Zensor, derschon mehrmals zu allerhöchstem Mißfallen Veranlassung gegebenhat". Grano hatte früher die Saphirschen Zeitschriften zensiert undan diesem boshaften, vom Könige aber hartnäckig protegierten Witz-bold seinen Meister gefunden. Nachfolger Langbeins wurde darauf-hin der Schulrat Otto Schulz, den die Prüfungskandidaten Lynkeusnannten, denn er hatte nur ein Auge. —

Der Blitz vom Throne des preußischen Zeus traf in doppelter Hin-sicht den Unrechten. Simrock war nicht einmal Demokrat, ge-schweige denn Revolutionär, und er war so fest monarchisch gesinnt,daß dieses Erlebnis ihn in seiner politischen Überzeugung nicht irremachte. Er galt zeitweilig sogar als Erzreaktionär, und als ihn Lud-wig Börne in seinen „Briefen aus Paris" (3. Dezember 1830 und26. Januar 1831) ob seiner romantischen Farbenverse verspottete,zog er gegen dessen „Freiheitsschwindel" in geharnischten Sonettenzu Felde — in eben dem „Freimüthigen" (oder „Berliner Conver-sationsblatt", wie der Doppeltitel jetzt hieß, vom Januar 1832, Nr. 1und 2), in dem sich der preußische Kammergerichtsreferendar alsrevolutionärer Lyriker so übel kompromittiert hatte. Später dürfteihn seine Freundschaft mit Freiligrath und andern Poeten des Vor-märz duldsamer gegen den Liberalismus gemacht haben. Auch be-deutete die Maßregelung von 1830 für ihn keine Strafe, und daherverwand er sie gewiß leichter als ein anderer, für den die Dienst-entlassung das geworden wäre, was sie sein sollte: die Vernichtungseiner bürgerlichen Existenz. Er brauchte nicht einmal seinem ver-mögenden Vater auf der Tasche zu liegen, denn neben seiner juri-stischen Laufbahn hatte er schon vom Beginn seines Studiums aneine zweite im Auge behalten, der seine ganze Liebe gehörte. Alsjunger Student in Bonn war er einer der ersten Schüler August Wil-helm Schlegels gewesen; in Berlin hatte er Karl Lachmann mit Be-geisterung gehört, und schon Ende 1826 war seine Übersetzung des„Nibelungenliedes" erschienen, das Friedrich dem Großen nochkeinen Schuß Pulver wert erschienen war. So stand er, als er nochJurist war, schon in der vordersten Reihe der Germanisten, an derenWirken das Bewußtsein des deutschen Volkes durch das Mediunider vaterländischen Literatur mächtiger erstarkte als an KarlsbaderBeschlüssen und Wiener Konferenzen und ihren unseligen Folgen.Simrocks Umgang war schon in Bonn ein kleiner Poetenkreis ge-wesen, aus dem Heine hervorragte; in Berlin hielt er sich zu Cha-