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2 (1928)
Entstehung
Seite
532
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SCHÖNHERR S3 2

den „Weibsteufel", als gegen den Dichter von „Glaube und Heimat ,der sich durch den erotischen Stoff seines neuen Werkes eine will-kommene Blöße gegeben hatte.

In diesem Kampfe fand die ultramontane Presse bereitwillig 6Bundesgenossen auch auf protestantischer Seite. Am 12. November1915 beschäftigte sich die Kriegstagung der preußischen General-synode mit dem verderblichen Einfluß der Kinoliteratur und unmittel-bar dahinter mit dem „Weibsteufel", der ausgetrieben werdenmüsse. Pfarrer Dr. Weber-Bonn protestierte namens der Front-soldaten gegen Schönherr und verlangte ein Gesetz gegen die frivoleAntastung des gesellschaftlichen Lebens. Dann müsse man wohlalle nachdenklichen Schriftsteller wie Zola, Ibsen, Strindberg, Tol-stoi u. a. aus der Literatur entfernen, antwortete die „BerlinerVolkszeitung" (Nr. 580 vom 12. Nov.), und im „Berliner Tageblatt'(Nr. 582 vom 13. Nov.) nahm Fritz Engel in einem Feuilleton„Kino und Weibsteufel" den verlästerten Dichter nachdrücklich inSchutz. Wenn es nur auf die „Gefährlichkeit" des Stoffes ankommestatt auf die gestaltende Kraft, die den Stoff zum Kunstwerk erhebe,dann könnten weder Goethe noch Schiller noch Shakespeare vordem Zensor bestehen. Sehr befremdend sei, daß keiner in der Gene-ralsynode Widerspruch gegen das Verdikt erhoben habe, nicht ein-mal der Präsident Freiherr v. Rheinbaben, der frühere Staatsminister,der Schutzherr der Düsseldorfer Goethe-Festspiele und Vorsitzendeder Weimarer Goethegesellschaft! Dagegen hielt die „DeutscheTageszeitung" „Eine notwendige Verwahrung" für angebracht. DieSynode, erklärte sie in Nr. 574 vom 15. November, habe das Stück„gebührend gebrandmarkt". In ihrer eigenen Kritik vom 7. April(Nr. 175) wußte sie noch nichts von der sittlichen Gemeingefährlich-keit des Werkes; ihr Rezensent (r. n.) hatte nur die ihm unver-ständliche Wendung in der psychologischen Entwicklung der Fraubemängelt, die das Schauspiel im Handumdrehen zur grellfarbigenAnekdote, zum Film mache. Jetzt war das Blatt plötzlich nur nochPosaune der preußischen Generalsynode: „Haben wir wirklich An-laß, unser Volk in diese häßlichen Tiefen hineinzuführen, ihm der-artige Dinge auf der Bühne zu zeigen? Sind sie wirklich der großenschweren Zeit angemessen oder auch nur mit ihr vereinbar? Wirwürden es nicht verstanden haben, wenn auf der Generalsynodenicht Verwahrung dagegen eingelegt worden wäre." Herr v. Rhein-baben hielt es für ratsam, auf den Appell an seine angeblichenliterarischen Interessen zu schweigen.

Die auffallende Schärfe der Redner in der Generalsynode und ch eschweigende Zustimmung ihres Präsidenten v. Rheinbaben, derübrigens als Innenminister bei Behandlung gerade des Zensur-problems eine wenig glückliche Hand bewiesen hatte, erweckten