Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
Seite
710
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710 G. Meyer,

eingerichtet: sie können durch Zug an einem Griffe alle auf einmal ge-öffnet werden, so dass die Wagen schnell herausfahren können.

Eine vierte Station soll demnächst errichtet werden.

Die Zahl der Unfälle war in den einzelnen Jahren nach der Zu-sammenstellung der Polizeipräfectur eine bedeutend höhere und betrugallein im Jahre 1895 5309. Grunberg giebt die Zahl von Krankenoder Verletzten, welche man im Jahre mit zwei Wachthabenden, zweiKutschern, zwei Wagen und zwei Pferden versorgen und befördern kann,auf 2000 an. Bemerkenswerth ist, dass eine so bedeutende Stadtwie Paris mit vier Rettungsstationen ausreichend versorgt werden kann.Allerdings bestehen noch auf den Polizeiwachen kleinere Hülfs-stationen, welche sämmtlich mit Verbandkästen, sowie Tragbahren aus-gestattet sind. Die Centralpolizeiämter haben Räderbahren.

Die seit dem 18. Jahrhundert längs der Seine vorhandenen Rettungs-stationen, 16Pavillons de secours pour noyes," sind mit je einem Po-lizeibeamten (Gardien de la paix) besetzt. Sie enthalten ausser derkupfernen Wärmebank, welche durch heisses Wasser erwärmt wird, eineBettstelle, Sauerstoff, sonstige Geräthscbaften in einem Schrank, Rettungs-ring, Tragbahre. Das Wasser für die Wärmebank kann durch Gasheizungin sehr kurzer Zeit erhitzt werden. Durch die Heizungsanlage des Ge-bäudes können gleichzeitig die Kleider der Ertrunkenen getrocknet werden.

Ein besonderer Telegraph verbindet jede Wache mit der betreffendenPolizeiwache, so dass sogleich ein Arzt, der sich zur Hülfsbereitsehafterklärt und eingetragen ist, herbeigerufen werden kann. Ausser bei Er-trunkenen wird Hälfe für Erstickte, Erfroi'ene, vom Blitz Getroffene ge-leistet. Bis 1895 traten die Anstalten 5787 mal in Thätigkeit, 1895 in429 Fällen.

Die gesammten polizeilichen Rettungsstationen leisteten 1897 in2301 Fällen Hülfe.

Während der Weltausstellung waren 4 Postes medicaux auf demAusstellungsgelände errichtet. Sie enthielten einen Operationssaal, Raumfür Verbandstoffe und eine sehr reichhaltige Ausrüstung. Der Ausstellungwegen hatte man auch Amputationsmesser unter die chirurgischen Werk-zeuge aufgenommen, eine für die erste Hülfe etwas weitgehende Sorge.Monatlich wurden auf jeder Station etwa 200 Fälle behandelt, haupt-ächlich Personen, die von der Einwirkung der ungeheuren Hitze gelitten.Jede Wache hatte einen Stadtfernsprechapparat und einen directen An-schluss zur Centralverwaltung, Stallung für Pferde, Wagenremise.

Einen besonderen Rettungsdienst hat Ramonat in den Bois deBoulogne eingerichtet. Es sind zahlreiche Postes de secours meistensin besonderen Räumen der Restaurants vorhanden, welche jetzt nur Con-cession erhalten, wenn sie die Aufnahme der Rettungswache gestatten.Sie sind äusserlich durch ein Schild mit Genfer Kreuz kenntlich ge-macht. Jede Wache enthält einen Verbandkasten, welcher ähnlich wiedie Leierkästen auf einem vierrädrigen kleinen Wagen steht. So kannder Verbandkasten an jede beliebige Stelle des Parks geführt werden.