MUNDT 37°
an. Mundt nahm diesen Irrtum als ein günstiges Omen und betrauteden vorhin erwähnten Freund in Leipzig am 29. November i833(Draeger, S. 16) mit einer Anfiage bei dem dortigen Verlagsbuch-händler Herrmann Reichenbach, ob er für eine Fortsetzung der„Kritischen Wälder" in Form einer Vierteljahrsschrift Interesse habe.Falls ihm der Titel —■ den der Wolbrechtsche Konkursverwaltermöglicherweise beanstandete — nicht zusage, schlug Mundt die Be-nennung „Neuer Hermes" vor, seine Zeitschrift sollte eine moderneFortsetzung einer altern sein, die als „Hermes oder Kritisches Jahr-buch der Literatur" von 1819 bis 1831 bei Brockhaus bestanden hatte.Sein Programm war nach jenem Brief vom 29. November: ,,A» estrebende gute Köpfe sollten sich in dieser kritischen Vierteljahis-schrift zu einem wirksamen Mittelpunkt versammeln. Es ist be-sonders auf Polemik darin abgesehen."
Der Leipziger Vermittler führte den Auftrag mit gutem Erfolgaus. Erst schien Reichenbach wenig zugänglich; auf erneute An-sprache ging er lebhafter ein, so daß Mundt dem Freunde am2. Januar 1834 schreiben konnte: „Auf Ihre neuesten günstigerenNachrichten über Reichenbach habe ich mich entschlossen, mich ihmwenigstens vorläufig zu nähern. Es fehlt mir zwar nicht an Aufforde-rungen von dem jungen Cotta, mit dem ich auch über ein größeresproductives Werk, an dem ich arbeite, bereits in eine Etwas ver-sprechende Verbindung getreten bin, aber es liegt mir doch auchdaran, einen Buchhändler mehr in der Nähe zu haben, dem ich das,was eilt, zum schnellen Druck übergeben kann. Mit Heinr. Brock-haus konnte ich in dieser Hinsicht nie zu etwas Bedeutendem kom-men, da wir Beide doch eigentlich sehr verschiedene Ansichten haben-Sie können aber glauben, werthester Freund, es ist mir wirklich eininneres Bedürfniß, eine eigene kritische Vierteljahrschrift, wie ichsie beabsichtige, herauszugeben, um mich einmal im Zusammenhangeüber mancherlei Erscheinungen und Richtungen der Zeit auszu-sprechen. Man verzettelt seine Ansichten und seine Individualität,wenn man zu viel einzeln in Journale, die unter fremdem Einflüssestehen, gibt, und das Publikum selbst erhält keinen bestimmten Ein-druck von dem, was man eigentlich will. Ich hoffe, wenn mein Planeinmal, jetzt oder später, zur Ausführung kommt, so werden auchSie damit zufrieden sein." Mundt wollte auch als Kritiker jetzt ener-gisch aus der bisherigen Anonymität heraus; seine Mitarbeit an den„Blättern für literarische Unterhaltung", deren Rezensenten sichhinter stets wechselnden Nummern verbargen, und am Brockhaus-schen Konversationslexikon hatte ihm zwar Geld, aber keinen Ruhmeingebracht.
Mundts erste Briefe an Reichenbach scheinen verschollen zu sein.Aber in zwei Monaten war man über den Plan der neuen Zeitschrift.