Druckschrift 
2,1 (1902)
Entstehung
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245
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Fürsorge auf dem Gebiete der Kranken Wartung. 245

gelegt; es werden gerade aus diesem Gesichtspunkte, die Pflegerinnenspäter als Gemeindeschwestern verwenden zu können, gewisse Lehrfächerin den Unterrichtsplan einbezogen, die bei der Armenpflege von besondererBedeutung werden, wie Hauswirthschaft, Gesundheitspflege etc. Muster-haft organisirt und geradezu vorbildlich ist die Einrichtung der Armen-krankenpflege in England. Die Pflegerinnenschule des bekanntenKönigin Victoria Jubiläums-Instituts" in London widmet sich mit be-sonderer Sorgfalt der Ausbildung guter Armenpflegerinnen. Diese aus-gezeichnete Anstalt wurde zur Feier des 50jährigen Regierungsjubiläumder Königin mit einem Kapital gegründet, zu welchem die Frauen Eng-lands in ihrer Gesammtheit beigetragen haben; sie stellt eine Central-stätte für die Ausbildung berufsmässiger Krankenpflegerinnen dar, vonder aus die Tochterinstitute, welche in den verschiedensten Orten ent-standen sind, geleitet und mit Rathschlägen sowie Geldmitteln unter-stützt werden. Wenn in irgend einer Stadt des Landes sich eine hin-reichende Anzahl -wohlhabender und wohlthätiger Bürger finden, welcheeine Hebung der Krankenpflege anstreben, so pflegen sich dieselben andas Jubiläumsinstitut mit der Bitte um Mittheilung der gemachten Er-fahrungen .und Ueberlassung einiger fertig ausgebildeter, tüchtiger Ge-meindepflegerinnen zu wenden, die den Grundstock der neuen Tochter-schule abgeben; das Institut ist vollkommen interconfessionell. DieThätigkeit der Armen pflegerinnen gestaltet sich in folgender Weise.Hat ein Arzt einen schwereren Erkrankungsfall bei einem armenPatienten, dem sonst nicht die nöthige Pflege und Wartung zu Thcilwerden kann, in Behandlung bekommen, so sendet er Nachricht zumnächsten Gemeindestift, in dem die Gemeindepflegerin des Bezirks wohnt.Bald erscheint dieselbe am Krankenbett, führt die besonderen ärztlichenAnordnungen aus, macht es dem Kranken bequem und behaglich, hilftunnütze Möbel, wenn solche vorhanden, aus dem Krankenzimmer ent-fernen, macht die darin befindlichen Gegenstände und das Zimmer selbstso rein als möglich und giebt den Angehörigen des Kranken Anweisungenzu den nöthigsten Hilfeleistungen bis zu ihrer Rückkehr. Die Tempe-ratur des Kranken wird gemessen, der Puls gezählt und der Befundvon der Pflegerin auf einer vom Arzt zurückgelassenen Karte vermerkt,die dieser bei seinem Besuch in Augenschein nimmt; oft wird ihm auch(lirecte Nachricht über das Befinden des Kranken gesendet. So hat derArzt den Vortheil den Krankheitsfall besser beobachten zu können, derKranke findet verständige Pflege und psychische Ermunterung, er undseine Angehörigen empfangen manche nützliche Belehrung und Aufklärung.Die Schwierigkeiten freilich, welche in derartiger Berufsausübung zuüberwinden sind, sind häufig recht grosse; Widerspenstigkeit, Misstrauenhemmen oftmals das segensreiche Wirken der Pflegepersonen, wenngleichgerade die Thätigkeit in der Gemeindepflege offensichtlich von enormer Be-deutung für die gesundheitliche und wirthschaftliche Hebung der unterenVolksschichten ist. Die grösseren englischen Städte sind in Bezirke ein-getheilt; für jeden derselben ist eine, bisweilen auch mehrere Pflegerinnen