Fürsorge auf dem Gebiete des. Krankencomforts. 75
Die Moos- und Wattekissen sind natürlich wohlfeiler als die Ross-haarkissen, und bilden dennoch eine recht weiche Unterlage; allerdingsfehlt ihnen das angenehm kühlende der Lederkissen. Ein weiterer Vor-theil ergiebt sich bei der Verwendung von Moos, Holzwolle, Holzwoll-watte als Füllmaterial durch die grosse Aufsaugungsfähigkeit dieserStoffe, welche sie in besonderem Grade in solchen Fällen als Lagerungs-mittel empfehlenswerth erscheinen lässt, wo eine häufige Durchnässungund Benetzung der Lagerstatt mit Ausscheidungen und Entleerungen derKranken zu erwarten ist (vgl. Sander, Ueber Moosbetten und Decubitus.Zeitschr. f. Krankenpfl. 1897. pag. 253). In den Irrenanstalten, wo diePflege unreinlicher Kranker besonders häufig in Frage kommt, hat manin letzter Zeit mit Erfolg den Versuch gemacht, die gesammte Bettunter-lage aus derartigen Stoffen herzustellen." So benutzt Sander in derstädtischen Irrenanstalt in Frankfurt a. M. ein Lager aus langfaserigemMoos, das mehrfach gewaschen werden kann und eine wesentliche Er-sparniss zulässt; Näcke (Zeitschr. f. Krankenpfl. 1896. pag. 20) be-dient sich eines Lagers aus grober Holzwolle, durch welche, der Urinder bettnässenden Geisteskranken
in ein unter dem Bette stehen- pj„ 39
des Gefäss abfiltrirt Avird. Auchein solches Holzwolllager lässtsich mehrfach waschen und nachder Trocknung wieder benutzen.Wird ausser der Hochlagerungder betreffenden Körpertheile
gleichzeitig eine seitliche Unter- Bettrückenlehne nach Ohrtmann.
Stützung derselben im Kranken-bette beabsichtigt, so sind mit Sand gefüllte Säcke und Kissen amPlatze, die durch ihre Schwere geeignet sind, das betreffende Glied inder gewünschten Lage zu erhalten.
Ein sehr wichtiges, werthvolles und häufig angewendetes Lagerungs-mittel bilden die mit Luft gefüllten, aufblasbaren Gummikissen, welcheneuerdings in den verschiedensten Formen hergestellt werden, je nachder besonderen Beschaffenheit der Körperpartie, für welche sie be-stimmt sind. Sie bestehen gewöhnlich aus zwei congruenten, ent-sprechend geformten Gummischeiben, welche an ihrer Peripherie miteinander verlöthet sind. An einem Punkte dieser Peripherie befindetsich eine durch Schraubenventil verschliessbare Oeffnting, durch welchedie zur Füllung nothwendige Luft eingeblascn wird. Um das Ein-blasen der Luft von Seiten der Krankenwartung zu erleichtern, hat manin neuerer Zeit, zuerst in Amerika und England, an den Kissen einenlängeren Gummischlauch angebracht, an dessen freiem Ende sich derSchraubenverschluss befindet, so dass vermittels dieser Vorrichtung Lufteingeblasen, beziehungsweise nachgefüllt werden kann, ohne das Kissenaus dem Krankenbette zu entfernen. Die Gummikissen werden fastausschliesslich aus grauem "Weichgummi hergestellt, weil diese Gummi-