v. HOLTEI
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Souffleurkasten. Das Männchen da unten schüttelt den Kopf, zuc'die Achseln und gibt schließlich pantomimisch zu verstehen, daß "•betreffenden Seiten seines Soufflierbuchs nicht nur durchstrichen,sondern mit dickem Kanzleizwirn unlösbar fest zusammengenäht seien.Iioltei winkt ihm zu schweigen und spricht unbekümmert weiter.Nun soll sein Partner, der Regisseur, antworten. Der aber brauenden Souffleur, blickt hilfeflehend hinunter und erhält nur Versezugeflüstert, die über die vernähte Passage hinausliegen und autFausts letzte Rede wie „die Faust auf Auge" passen. Da blieb auchHoltei weiter nichts übrig, als das Gestrichene und noch einig eSandere zu überspringen, und die Zensur triumphierte. — WesseHand dabei im Spiele war, hat Holtei nie erfahren können; irgendeiDirektionsspion hinter den Kulissen hatte dem Zensor die Keckheides Dichters verraten. Hof rat John aber schwur hoch und heilig'daß er keinen Teil daran gehabt habe. — Daß man „oben" die ganzeTotenfeier sehr mißfällig aufnahm, sie sogar am liebsten — verbotenhätte, ergibt sich aus Dokumenten, die im dritten Band dieses Werkesmitgeteilt werden sollen.
Im selben Jahr gab der Generalintendant der Königlichen Schau-spiele, Graf Brühl, Holtei eine bei ihm bestellte Festrede „schelmischlächelnd mit den Worten zurück: er könne sie nicht brauchen, eswären ,zu viel Gedanken' darin". So versichert der Dichter in einemBrief vom 10. Mai 1833 an seinen Freund und schlesischen Lands-mann August Kahlert.
Noch schlimmere Erfahrungen machte Holtei in Wien, wohin ih nMitte der dreißiger Jahre eine längere Gastspielreise führte. LudwigTiecks Novelle „Dichterleben" gab ihm die Anregung zu einemSchauspiel „Shakespeare in der Heimat"; er schrieb es in Wien undbrachte es auf dem dortigen Josephstädischen Theater, einer Vor-stadtbühne, auf der er mit seiner Frau gastierte, zur Aufführung-Die Wiener Zensur verlangte aber endlose Änderungen: aus einemVater mußte ein Vetter werden, und eine Frauengestalt (Rosaline)wurde so völlig verunstaltet, daß sie nicht mehr wiederzuerkennenwar. „Was hier verboten wird," schrieb Holtei am 6. Januar 1836an Tieck, „ist eben so unglaublich, als das .Warum?' unerklärlichbleibt. Am Ende herrscht reine Willkür und ich staune wahrhaftigbisweilen eben so sehr über das Stehengebliebene, als ichmich über das Weggestrichene wundere." Der dritte Aktspielte in einer Grotte, in der Shakespeare mit einer Frau, Elisabeth,zusammentrifft. „Schwachbeleuchtete Grotte" lautete die szenarischeBezeichnung. Das Wort „schwachbeleuchtet" wurde vom Zensorgestrichen. Ein Wiener Witzbold machte darauf das vielbelachteBonmot: „Das ist auch das erste Mal, daß der Zensur etwas zudunkel erschien." Der Witz kam übrigens post festum, denn schon