Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Trinker. 541
Traubensaft), Frada (ungegohrener Obstsaft), alkoholfreies Bier, Mineral-wässer und verschiedene Arten von Limonade abgegeben. Ein Zwangzur Arbeit wird in der Anstalt nicht ausgeübt, doch liegt es auchhier im Interesse der Kranken selbst, die dargebotene Gelegenheit, zuallerhand Gartenarbeiten, sowie zu mechanischen Arbeiten (Holzdreherei,Kerbschnitt, Brandmalerei und anderen Liebhaberkünsten) möglichst zubenützen. Durch genügende Leetüre im Lesezimmer (kleine Bibliothekund eine grössere Anzahl politischer und belletristischer Zeitschriften)ist.- für geistige Anregung entsprechend Sorge getragen. Auch werdendie Kranken angehalten, sich möglichst mit ihrem Berufe entsprechendengeistigen Arbeiten zu beschäftigen. Der Befriedigung religiöser Be-dürfnisse wird in weitgehendstem Maasse entgegengekommen."
15. Zu unseren, best geleiteten Trinkerheilanstalten gehört dieNervenheilstätte zu Schloss Marbach. a. Bodensee. Sie verfolgtunter Dr. Smith's fachmännischer Leitung vollkommene Alkohol-entziehung nicht nur in der Behandlung der Alkoholkranken, sondernauch hinsichtlich der Heilung von Nervenkranken, Morphiumsüchtigenu. a. m. Die Anstalt verfügt über die verschiedensten den neuen Er-fahrungen und Kenntnissen entsprechenden Einrichtungen und Heilmittel,wie elektrische Apparate und Bäder jeder Art, Vorrichtungen für Heil-Gymnastik, Massage u. s. w. Selbstverständlich ist für' beste Ver-pflegung .gesorgt.—- Pension pro Tag 6 M., Zimmerpreise pro Tag2—10 M., Salon nebst, Schlafzimmer 12—15 M.'
„Die innere Einrichtung des Hauses ist eine durchweg elegante,zum Theil luxuriöse, die' es besonders Patienten der höheren Ständemöglich mächt, eine ihrer Erkrankung entsprechende Specialanstalt auf-zusuchen, ohne-auf zu viel gewohnten Comfort verzichten zu müssen.
Wo es möglich ist, wird zu geistiger Beschäftigung Anregung ge-geben; die Ausübung einer Reihe von Liebhaberkünsten (Holzschnitzerei,Einlegearbeiten, Brandmalerei u. s. f.) hilft über eine Reihe von müssi-gen Stunden nützlich hinweg.
Zur Unterhaltung der Patienten dienen ferner: Ruder- und Segel-sport, -Fischerei, Feld-, Wald- und. Wasserjagd, Waldspaziergänge. Lawn-Tennis- und Croquetplätze stehen im Freien, prachtvolle Kegelbahn undSchiessstand unter Dach und heizbar den Kranken. zur Verfügung.Billard-, Musik- und Gesellschaftszimmer machen bei schlechtem Wetterden Aufenthalt im Hause behaglich.
Im übrigen werden häufig grössere Partien in die nahe gelegenenSchweizer Gebiete (Zürichersee, Vierwaldstättersee mit Rigi und Pilatus,Ragaz mit Taminaschlucht), sowie bei genügender Betheiligung an dieoberitalienischen Seen von der Anstalt aus arrangirt und in Begleitung 1eines der Aerzte ausgeführt. Dieselben sichern einmal jedem. Theil-nehmer bei verhältnissmässig geringem Kostenaufwand eine dauerndeErinnerung an die schöne, nähere und fernere Umgebung, dann aber,-was die Hauptsache ist, wirken sie in hohem Grade erzieherisch, insofern