Druckschrift 
1 (1899)
Entstehung
Seite
471
Einzelbild herunterladen
 

Sonderkrankenaiistalten u. Fürsorge f. Nervenkranke, Epileptische u. Idioten. 471

Krankheitsformen schon längst, und für die Bestreitung der Medica-mente ein besonderer Fonds. Mit der Anstalt in Uchtspringe isteine Poliklinik für Nervenkranke überhaupt verbunden. Es sind dortfür diesen Zweck besondere Zimmer im Verwaltungsgebäude eingerichtet;ferner ist ein Unterkunftshaus im Bau begriffen, in dem die Krankennach Bedarf einige Tage beobachtet werden können.

8. Die Anstaltsfürsorge für Epileptische.

Die Gründung von besonderen Anstalten für Epileptische gehörtder neuen Zeit an.

Aus früheren Tagen kennen wir nur vereinzelte Bestrebungendieser Art.

Der Fürstbischof Friedrich Adam v. Würzburg hat im Jahre1773 in der Nähe des Juliusspitales „eine eigene Behausung herstellenlassen zum Trost der hie und dort sich vorfindlichen mit der epilep-tischen oder sogenannten hinfallenden Krankheit Behafteten .... vonaller menschlichen Hilfe ganz verlassenen armseligen Leuten, thcils zurVersuchung einer Cur, thcils zu deren öncurabeln vorsorglichen Ver-bringimg und Verpflegung" (Rieger). Sein Nachfolger, Franz Ludwigvon Ersthai hat das Unternehmen seines Vorgängers weiter geführt undnamentlich auf seine Privatkosten- eine Anzahl von Epileptiker ver-pflegen lassen.

In Frankfurt a. M. ist 1785 in der neuen Irren-Anstalt den Epi-leptischen ein besonderer Flügel eingeräumt worden.

Die edle Fürstin Paulinc von Lippe-Detmold, die in den erstenJahrzehnten dieses Jahrhunderts regierte, hat ihre menschenfreundlicheFürsorge auch auf die Epileptischen ausgedehnt; sie hat es schon damalsals das Beste erkannt, die Kranken in landwirthschaftlichen Colonienunterzubringen.

Der Erlass der Kgl. Bayrischen Regierung vom Jahr 1819, derdie Gründung einer Anstalt für Epileptische anordnete, kam nicht zurAusführung.

Nur im Königreich Sachsen sind Staats-Anstalten gegründet worden.Die im Jahr 1877 gegründete Anstalt zu Königswartha wurde 1882 fürandere Zwecke bestimmt, an ihre Stelle trat 1889 die Anstalt in Hoch-weitzschen.

Im grossen Ganzen hat sich die Anstalts-Fürsorge für Epilep-tische von der Mitte der 40 er Jahre an gemeinsam mit der Fürsorgefür die Idioten entwickelt. In den zahlreichen Idioten-Anstalten, diedurch die christliche Wohlthätigkeit ins Lehen gerufen wurden, habenauch die Epileptiker, besonders solche jugendlichen Alters Aufnahmegefunden.

Ausschliesslich für Epileptische hat Dr. Reimer im Jahr 1855 in

Handbuch der Krankenversorgung u. Krankenpflege. I. Bd. g[