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1 (1899)
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468
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468 Wildermuth,

wirkt als das andere. Eine Regel lässt sich dafür nicht aufstellen. Esist zucmpfehlon mit dem Salz zu wechseln, sobald Vergiftungserscheinungenauftreten, oder die antiepileptische Wirkung nachlässt. Das für ander-weitige Anwendung sehr empfehlonswcrthc Erlenmcyer'sohe Bromwasserkommt bei Epileptischen auf die Dauer zu hoch.

Das Brom darf nie plötzlich abgebrochen werden, man hat sonstden Ausbruch gehäufter Anfälle zu befürchten.

Die .Bromopiumkur nach Flechsig eignet sich nur für Spital-und Anstaltsbehandlung, nicht für ambulante Patienten.

Atropinum sulfuricum ist namentlich für frische Fälle und fürjugendliche Kranke zu empfehlen. Man beginnt mit 1 mg pro die inPillenform und steigt allmählich bis zu 2 mg am Tage oder noch mehr.Bekanntlich wird Atropin von Kindern gut ertragen.

Amylcnhydrat habe ich seiner Zeit auf Grund zahlreicher Ver-suche in Dosen von 2—4 g pro die empfohlen; als Mittel gegen gehäufteAnfälle und als zeitweiligen Ersatz für das Brom. Dass es sich nichtzu dauernder Anwendung eigne, habe ich ausdrücklich hervorgehoben.Nach 6—8 Wochen, manchmal auch früher, lässt die anticpilcptischcWirkung nach und eine weitere Steigerung ist nicht möglich, da sonstSomnolcnz und Verdauungsstörungen auftreten. Mit Zink, Artcmisia, Os-mium kann man einen Versuch machen, wenn man mit dem Bromnichts erreicht.

Gegen gehäufte Anfälle ist Amylenhydrat das beste Mittel, daswir haben. Es lässt sich gut subcutan anwenden (1 Pravaz'sche Spritzehält 0,8 Amylen). Die günstige Wirkung des Mittels, die sicherer istals die des Chloralhydrats, ist aufs Neue von Habermaas in Stetten,Ackermann in Hochweitzschen und von Flügge bestätigt worden.Nach einer gütigen Mittheilung von Habermaas kamen in der Anstaltzu Stetten von den Todesfällen bei Epileptikern 58 pCt. auf gehäufteAnfälle. In den Jahren 1890—97 nach Einführung des Amylenhydrats33 pCt. — Also eine Verminderung um 25 pCt.

Durch Hydrotherapie kann man Epilepsie nicht heilen. Aber dieWasserbehandlung ist bei Epilepsie häufig angezeigt wegen ihrer gün-stigen Wirkung auf die allgemeine Ernährung und zur Bekämpfung dermannigfachen „neurasthenischen" Beschwerden, die beim Epileptikerselten fehlen. Bei der ambulanten Behandlung müssen wir die Vor-schriften so geben, dass sie sich mit einfachen Mitteln ohne grossenZeitverlust ausführen lassen. Morgens kalte Abwaschung, vor zu Bett-gehen kurzes kaltes Fussbad oder bei unruhigem Schlaf heisse Fussbädcrmit kalter Uebergiessung oder Wechselfussbad. Besonders anzurathen istdie kalte Abflössung von Kopf und Nacken nach der Mittagsruhe. Voll-bäder mit 24—26° R. und 4—6 Minuten Dauer, zum Schluss mit kalterDouche in den Nacken sind sehr cmpfehlenswerth. Einmal wöchentlichsoll ein wärmeres Bad von 27—28° mit gründlicher Abseifung des ganzenKörpers vorgenommen werden. Dadurch wird das Auftreten von Brom-exanthemen verhindert, oder wenn sie da sind, werden sie gemildert.