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1 (1899)
Entstehung
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359
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Sonderkrankenanstalten und Fürsorge für Lungenkranke. 359

Croquet ist gestattet, bei der Erlaubniss von Sport, Schlittschuhlaufen(Grabowsee, Volland), Schneeschuhsport (Tonsaasen), Rutschbahn (Haiila)wird man streng individualisiren müssen.

Unterhaltungen sollen gestattet werden, wenn sie nur irgend in denRahmen des Ganzen passen; mögen die Einzelnen einen photographischenApparat mitbringen (man lasse sie im Laboratorium gern entwickeln),ein Herbarium anlegen, Steine und Moose sammeln, die vielleicht einmaletwas Schmutz bringen, mag Zither-, Flöten- und Geigenspiel mitMaasscn erschallen: nur keine öde Langeweile, sie ist der schlimmsteFeind der Heilstätten! Durch Ausflüge, an welchen sich der Arzt oderVerwalter mit Frau betheiligt, vielleicht auch einmal der Pastor desOrtes oder ein Freund der Anstalt, durch kleine Feste an den kirch-lichen, vaterländischen, häuslichen Festtagen mit Gesang, Deelamationenund einem Gange zu Mittag mehr oder einer guten Nachspeise, durcheinen Fastnachtsulk, ein Johannisfeuer, eine Weihnachtsbescheerung, kurzdurch tausend kleine Abwechslungen soll dem Kranken der Aufenthaltlieb gemacht, die Ueberzeugung beigebracht werden, dass sich alle seinerWohlfahrt mit Eifer annehmen.

Nicht nur in offenen Curorten, wie Thomas in Badenweiler sagt,kann heiterer Verkehr herrschen. Von Falkenstein sagt Kühner (Ge-sundheit):Heiteres buntes Leben in weiten, liebten Liegehallen undPavillons, denen der Patientenwitz oft besondere Namen verleiht wirhaben hier eine Aristokraten-, Jungfern-, Muster-, Seufzerhalle, einenBacillentempel, Cirkus, Affenkasten und dergl. interessante Benennungen.Gruppenweise, wie sie Geschmack und Neigung zusammenführt, liegendie Leute die ihnen bestimmte Zeit auf Liegesesseln, pflegen emsig derUnterhaltung und der Lektüre, machen dann ihre vorgeschriebenenSpaziergänge, oftmals so vortrefflich aussehend, dass ein Fremder, derihnen begegnet, niemals auf den Gedanken kommen würde, eine wanderndeBacillenhcrberge vor sich zu haben."

In Ventnor hat man sogar eine Bühne, auf welcher berühmteKünstler und Künstlerinnen auftreten.

Zum Lesen besteht eine kleine Bibliothek (die neue Formalin-desinfectionsmethode beseitigt vielleicht Weicker's Bedenken dagegen),die ein Bücherwart (wie ein Spielwart die Spiele) verwaltet. Zeitschriftenbelehrenden und humoristischen Inhaltes werden gehalten und spätergebunden. Politische Zeitungen sollte jeder selbst für sich haltendürfen, politische wie confessionelle Agitation muss in jeder Form ver-boten sein.

Kann sich durch Lektüre der Kranke selbst fortbilden, so wird voneinigen (Weicker) ein eigentlicher Fortbildungsunterricht verlangt 1 ). In-sofern er sich auf einzelne in sich abgeschlossene, durch den Arzt unddurch gebildete Freunde der Heilstätte zu haltende Vorträge erstreckt,ist er warm zu befürworten. Die Kenntniss der Arbeiterversicherung,

!) S. Deutsche med. Wochenschrift 1898. No. 20. Vergl. S. 347. Anm.

Haudbucli der Krankenversorgung uud Krankenpflege. I. Bd. 94