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öffentlichen Aufführung, da bei der allgemeinen hohen Meinungvon den erforderlichen Qualitäten eines Pastors eine Herabsetzung,wie sie in diesem Stück erfolgt, wohl geeignet ist, in weiteren KreisenAnstoß zu erregen. Speziell zu beachten sind die Seiten 10, 49, 84 fg._ Im Übrigen befinden sich in dem Stück eine ganze Reihe vonEindeutigkeiten, die die ganze Sache noch ungeeigneter erscheinenlassen. Ich verweise auf die Seiten 35, 48, 50, 56, 59, 61, 68. — Eswäre auch zweckmäßig, die Geschmacklosigkeiten aus Seite 41 42,81, 82 auszumerzen."
Das Urteil des zweiten Referenten vom 18. August lautete nochungünstiger: „Neben der Habgier des Pastors und seiner Grobheit,die er namentlich im ersten Akt ohne Maß und ohne jeden ersicht-lichen Grund nicht nur der Dienstmagd, dem Uhrmacher und demGemeindevorsteher, sondern auch seiner Frau gegenüber zeigt (S. 11,12, 15—20, 22—25; vgl. auch S. 87), wirkt auch seine Überhebungund Taktlosigkeit (S. 6, 8, 10, 35) sehr abstoßend. Dazu kommt nochdie herzlose Roheit, mit der er, bei einem Pastor doppelt befremd-lich, das körperliche Gebrechen des Uhrmachers verhöhnt (S. 47, 84),sowie seine Heuchelei (S. 1, 94). _ Höchst bedenklich sind m. E.'auch die auf die geschlechtlichen Beziehungen des Pastorpaaresanspielenden Anzüglichkeiten (vgl. insbesondere S 56) sowie dieklägliche Situation, in welche der Pastor am Schluß des Stückesdurch die Vorzeigung der Ablösungsurkunde seitens des Uhrmachersgerät, umso mehr, als er diese Situation durch seine Habgier undvorschnelle Unüberlegtheit selbst verschuldet hat."
Beide Referenten schlugen vor, ein Gutachten des Konsistoriumseinzuholen. Dem stimmte der Dezernent Oberregierungsrat v. Gla-senapp zu. In dem Schreiben an das Königliche Konsistorium derProvinz Brandenburg und des Stadtkreises Berlin vom 23. Augustwurde die Besonderheit dieses Zensurfalles mit anerkennenswertemNachdruck hervorgehoben: „Hermann Essig wird in literarischenKreisen als einer der begabtesten neueren Dramatiker geschätzt undes ist deshalb unerwünscht, der Aufführung seines Werkes entgegen-zutreten, zumal gerade in letzter Zeit in der Öffentlichkeit großerWert darauf gelegt wird, den jüngeren deutschen dichterischenNachwuchs auf der Bühne zu Worte kommen zu lassen. Auf deranderen Seite lassen aber die Art, wie der Pastor geschildert, wiesein Benehmen zum Küster und sein Verhalten zur Kirchengemeindedargestellt wird, sowie die Art, wie er die Predigt auf seine persön-lichen Wünsche und vermeintlichen Ansprüche zuspitzt, die Frei-gabe des Stückes nicht unbedenklich erscheinen. Eine Beseitigungdieser Bedenken dürfte auch schwierig sein, während sich die pein-lich berührenden, auf die geschlechtlichen Beziehungen des Pastor-paares abzielenden Anzüglichkeiten wohl ausmerzen lassen."