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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
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dafür fand Manuel Vorbilder in den älteren Totentänzen, beimWucherer und Kaufmann in Basel und beim Arzt in der Dansemacabre. Den letzteren kopierte Manuel (s. o.) und fügte in ähn-licher Auffassung das Bild des Papstes und des Malers hinzu: derPapst auf dem Sessel, von Geistlichen getragen, lässt auf einen feier-lichen Aufzug schliessen, und der Maler ist in seiner künstlerischenThätigkeit und zwar bei der Malerei an dem Totentanzgemälde selbstdargestellt (Fig. 83). In der Hervorhebung dieses allerdings sehrbedeutsamen Moments der Lebensbilder geht aber Vögelin ent-schieden zu weit, indem er diesen Charakter noch vielen anderenScenen vindiziert. Warum z. B. das Bild des Ordensritters, einervollkommen passiven Figur, dazu gehören soll, ist mir rätselhaft ge-blieben. Ebensowenig lassen sich die Scenen mit einer Vermehrungder dargestellten Personen ohne weiteres hier anreihen; denn dieseVermehrung sollte entweder nur den Charakter der Hauptpersonbesser kennzeichnen, wie dies schon bei dem Wucherer in der Dansemacabre geschehen war (Kriegsmann mit Knecht, Kind und Mutter)*)oder war eine blosse Anhäufung von Personen desselben Standesohne jede weitere Bedeutung (Mönche, Juden und Heiden). Aberauch die vorhin genannten wirklichen Bilder aus dem Leben sindnoch weit entfernt, ihrem Zweck vollständig und wesentlich bessergerecht zu werden als die ähnlichen älteren Vorstellungen, so dassich mich keineswegs Vögelin anschliessen kann, der gerade darinManueleine ganz neue Umwandlung des mittelalterlichen Themas"inaugurieren lässt.

Noch in einem anderen Punkte scheint mir Vögelin aus ManuelsBildern zu viel herauszulesen, indem er nämlich aus gewissen Gebärdender Toten ihre Teilnahme am wirklichen Leben erschliesst (No. 1,S. 91). Er verwechselt damit die schon in Basel übliche Darstellung,dass der Tote durch gewisse Attribute sein Opfer nachäfft oder ihmsolche zum Zeichen seiner Ohnmacht raubt (s. o.); so wird auch imBerner Gemälde der Tote des Schultheissen durch den Harnischnoch nicht zum Waffenträger (vgl. den Ritter in Basel), der Totedes Jünglings durch den Falken noch nicht zum Falkner, und wennvollends der Tote der Jungfrau durch die Blumenkrone und denWeihwedel auf dem Kopf sich zugleich als der segnende Priester

*) Der Knecht und das Kind sprechen im Text nicht mit, sondern nur der Krieger und die Mutter.