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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
Seite
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eigentliche Totentanztext nach dem Klingenthaler Gemälde oder einergleichen anderen Vorlage zusammengestellt wurde. Das Beinhausblieb in der ersten und allen folgenden Abschriften fort, entweder weiles keinen eigenen Text hatte oder weil der uns aufbewahrte Sprucham Beinhause (s. S. 72) ohne eine Abbildung nicht zu verstehen war.

Ihre eigentliche Bedeutung erlangten unsere Handschriften da-durch, dass sie in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts die beidenbekannten und vielleicht noch andere Holzschnittwerke veranlasstenund so diejenige Erscheinungsform des Totentanzes ins Leben riefen,die von Deutschland aus sich über alle Länder verbreitete und dieKenntnis des Totentanzes zu einer allgemeinen machte. Von diesenxylographischen Bilderdrucken, die mit zu den ältesten überhauptgehören, ist H 2 wohl unter dem unmittelbaren Einfluss des BaslerBildes entstanden. Die ganze Auffassung ist zweifellos dieselbe: dieToten holen die Lebenden oder vielmehr deutlich Sterbenden zumTotentanz ab. Nur tanzen und springen sie lebhafter als in Klein-Basel. Ihre schon beschriebene Körperbildung (S. 99) weicht nurin wenigen Punkten von dem Vorbilde ab, mehr schon die Kleidungder Lebenden, namentlich der Frauen. Merkwürdigerweise begegnetuns auch in H 2 ein weiblicher Toter beim Edelmann (Fig. 46), geradeso wie ein solcher in Kermaria und La Chaise-Dieu je einem Mannezugeteilt war. Es ist schwer, bei dieser gemeinsamen ungewöhnlichenBildung nicht an eine Entlehnung zu denken; angesichts der grossenVerschiedenheit dieser Totentänze in allen übrigen Dingen ist esaber wahrscheinlicher, dass sie aus einer gemeinsamen unbekanntenQuelle schöpften (S. 47), ohne jedoch mit dieser Neuerung einenErfolg zu erzielen. Erst Holbein war es vorbehalten, dieses Motivvoll zu verwerten.

Die Holzschnitte M 2 sind dagegen so verschieden von den BaslerBildern, als es eben der gleiche Text zulässt. Die Toten fassen ihrePartner nur siebenmal wirklich an, sonst verhalten sie sich ziemlichindifferent; nicht selten sitzen sie oder die Lebenden oder selbstbeide, wie z. B. im ersten Bilde, wo der Papst scheinbar bloss demToten zuhört, der ebenfalls sitzend die Sackpfeife bläst (Fig. 49).Vielleicht war diese Auffassung durch andere verwandte Bilder jeneroder einer älteren Zeit (Gespräche mit dem Tod?) beeinfiusst;