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Eine weitere Bestätigung des Gesagten finden wir bei denTotengestalten, die in Lübeck im allgemeinen ebenso gebildet sind,ebenso häufig tanzen und ebenso nur Attribute des eigentlichenTodes tragen wie in Paris *), wogegen die Toten der übrigen Toten-tänze bei anderer Körperbildung selten oder gar nicht tanzen undstatt jener Attribute allenfalls Musikinstrumente führen.
Und alle diese Übereinstimmungen der Pariser Danse macabreund des Lübecker Bildes sind um so bedeutsamer, als sie sichkeineswegs einfach aus dem Text ergeben, sondern notwendig eingemaltes Vorbild des Lübecker Malers voraussetzen. Selbst einewirkliche Aufführung des Schauspiels konnte nur einen Teil allerjener Merkmale zur Darstellung bringen; dagegen konnte dort wederder Tod mit allen seinen verschiedenen Attributen, noch das Kindin der Wiege auftreten, die Gebärden stehender Figuren wie desArztes waren ausgeschlossen u. Ä. m. Daher schliesse ich aus diesenVergleichen unbedenklich, dass der Maler des Lübecker Bildesdas Pariser oder ein ihm in allen Stücken völlig gleichesBild kannte und nach dem Gedächtnis oder einer Skizze be-nutzte. Natürlich werden dadurch auch die Ergebnisse über denUrsprung des Lübecker Textes wesentlich unterstützt, so dass wirzwischen dem Lübecker und dem Pariser Totentanz dieselbe naheVerwandtschaft annehmen müssen wie etwa zwischen den zweiBaseler Gemälden.
Durch diesen Nachweis wird die Ansicht Wackernagels, dassder Lübecker Totentanz bis in das 14. Jahrhundert zurückreiche,sowie die Vermutung Seelmanns, dass er ein aus dem Anfang des15. Jahrhunderts stammendes Vorbild gehabt habe, widerlegt. DieTrachten, insbesondere diejenige des Edelmannes und des Jünglings,gehören der Mitte und der zweiten Hälfte desselben Jahrhundertsan**). Das meist angegebene Datum 1463 ist vielleicht nur ein
*) In Lübeck tragen nur zwei Tote solche Attribute, der erste einen Sarg und der letzte eineSense; denn die anderen Toten haben meist keine Hand dafür frei. In Paris haben die meistenAnführer eines Teilreigens ein derartiges Attribut in der freien Hand. — Durch diese Überein-stimmung erledigt sich auch der Hinweis Wackf.rnagels auf den Lübecker Sensenmann als einespecifisch deutsche Gestalt des 14. Jahrhunderts; sie war trotzdem aus Frankreich importiert.
**) Der Kopfputz der Jungfrau, den Mantels in die erste Hälfte des Jahrhunderts verlegt,ist schwer verständlich, um so mehr als er in der MiLDF.schen Zeichnung (Mantels) und bei Eyeund Falke (No. 17 I. Tafel 77) ganz verschieden wiedergegeben ist. Das einzige daran erinnerndeBild finde ich bei Weiss I. 242, wo auch die hohen Leibchen der Frauen erwähnt sind, beidesaus der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, nach Skizzen von Jos. von Meckenen.