88—Heraklius trug es selbst im feierlichen Zuge, in seinerPrachtkleidung auf ſeinen Schultern den Kalvarien-berg hinan. Als aber diese Prozession an das Thorgekommen war, welches nach dem h. Berge führt, davermochte Heraklius nicht mehr weiter zu gehen; un-sichtbare Arme schienen ihn aufzuhalten. Der BischofZacharias, voll Erstaunen darüber, rief plötzlich, wievon oben erleuchtet: „Bedenke, o Kaiser, ob Du indem Schmucke eines solchen Triumphzuges Aehnlich-keit habest mit dem Heilande, der das Kreuz aufeben dem Wege als der Aermste und Demüthigstegetragen hat.“ Der Kaiser legte sogleich sein Pracht-gewand und seine Krone ab, und mit bloßen Füßenund mit einem ärmlichen Mantel bekleidet schritt ernun mit dem h. Kreuze ohne Aufenthalt vorwärtsund brachte es an die Kreuzigungsstätte auf Gol-gatha. *) Das Andenken an diese Begebenheit wirdals Fest der Kreuzerhöhung bekanntlich am 14. Sep-tember gefeiert.Als Merkwürdigkeiten werden in der Kapelle aufdem Chore noch aufbewahrt: mehrere kleine Steinchensowie Erde aus dem h. Lande, vom h. Grabe, vonder Krippe zu Bethlehem, aus dem Jordan, GartenGethsemani u. s. w., welche wahrscheinlich Vinhovenvon seinen Pilgerreisen mitgebracht hat, wie früherschon bemerkt wurde.) Diese wunderbare Begebenheit ist in unserer Kapelleauf den beiden anderen Wänden dargestellt; rechtssieht man den Kaiser, wie er mit Krone und Kaiser-mantel bekleidet, das Kreuz nicht mehr fortbringenkann und stille stehen muß; auf der anderen Wand,wie er in einfacher, ärmlicher Kleidung und baarfußdas Kreuz wieder weiter trägt.
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