von Dr. Max Pettenkofer. 0
Gemenges bereits wieder eine sehr sichtbare alkalische Reak-tion. Die Empfindlichkeit dieser Reaktion ist so gross, dass sichdie Wirkung eines Zusatzes von 7 4 Cubikcentimeter Oxalsäure-lösung, mithin '/ 4 Milligramm Kalk, noch beobachten lässt.
Es dürfte unbestreitbar seyn, dass man sehr geringeMengen aller Säuren von .bekannter Zusammensetzung durchNeutralisiren mit Kalkwasser bestimmen kann, dessen alka-lisches Aequivalent man vorher durch Titrirung mit einerOxalsäurelösung von bekanntem Gehalte ermittelt hat. Eslassen sich für die Ermittlung des grösseren oder geringerenGehaltes von Weinen, Essigen und von Bier leicht Methodenauf dieser Basis construiren. Da die Reaktion sehr empfind-lich ist, so verdünnt man namentlich saure Weine und Essigemit einem mehrfachen Volum von Wasser. Bei den Bierenkann man den Gehalt an Kohlensäure und an anderen Säurenbestimmen, wenn man zwei Versuche macht, wo man beieinem das Getränk durch Kochen von Kohlensäure befreitund was dabei verdunstet wieder durch Wasser ersetzt. Umwas gekochtes Bier weniger Kalk neutralisirt, als frisches,das kann mau als Kohlensäure annehmen.
Da Kalkwasser die Kohlensäure der Luft mit Begierdeabsorbirt, so wird sich der Gehalt der letzteren an diesemGase in einem gemessenen Volumen leicht ermitteln lassen.Bereits vor vielen Jahren hat Watson (Erdmann und Schwei-zers Journal für praktische Chemie Bd. VI. S. 75) eine ähn-liche Methode angewendet, die aber bald in gänzliche Ver-gessenheit gekommen zu seyn scheint. Meines Wissens ge-schah derselben in neuerer Zeit nirgend Erwähnung, und ichselbst wurde erst darauf aufmerksam, als ich nach Feststellungmeiner Methode die Literatur dieses Jahrhunderts über den be-treffenden Gegenstand durchging, und fand, dass ich wesent-lich eine ähnliche Methode wie Watson angewandt und nurunserem gegenwärtigen Standpunkte entsprechend verbessertund die in ihr liegenden Fehlerquellen vermieden hatte.